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Die Lehre der Büffelfrösche

mitdemherzenzuhoerenbueffelfroesche.doc [32 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)

Einst lebt in Indien ein weiser Mann. Schon oft hatte er die Regenzeit kommen und gehen sehen, und seine Tage flossen im ruhigen Gleichmaß dahin, wie die Fluten des Ganges. Er liebte das Leben und die Menschen, er verstand ihre Ängste und Nöte und nahm Anteil an ihren Leiden. Eines Tages sprach er zu Gott: „Herr, wie kann ich meine Mitmenschen besser verstehen? Wie kann ich zum Kern ihres Herzens vordringen?“ In der selben Nacht hörte er im Traum eine Stimme die ihm befahl: „Wende deine Schritte nach Osten. Nach sieben Tagen wirst du im Schatten eines mächtigen Feigenbaums auf einen Teich stoßen. Setze dich an seine Ufer und warte bis die Sonne unter dem Horizont versunken ist. Dann versenke dich in Meditation und ich werde dich erleuchten.“

Als der weise Mann erwachte, erfasste ihn tiefe Freude. Er machte sich eilig auf den Weg und die sieben Tage erschienen ihm nur wie der Schlag einer Wimper. Er fand den Teich und der milde, balsamartige Duft der Lotusblüten erfüllte die Luft. Als der glühende Ball der Sonne mit einem letzten feurigen Aufleuchten hinter dem Horizont versank und die schwarzsamtene Stille der Tropennacht ihn umhüllte, öffnete er seinen Geist.

Das heißt - er versuchte es!

Der bengalische Büffelfrosch ist ein gewaltiger Sänger. Ein altes, indisches Sprichwort sagt: „ 10 Frösche sind wie das Brüllen des Tigers, 100 Frösche wie das Donnern der Meeresbrandung im Sturm, aber 1000 Frösche brächten selbst die Säulen des Himmelsgewölbes zum Einsturz.“ Seit urdenklichen Zeiten lebten Frösche an diesem Teich und mit dem Einbruch der Nacht begannen sie ihr uraltes Ritual. Bald dröhnte ihr knarzend-grollendes Quaken durch die Stille der Nacht.

Immer wenn es dem Weisen schon fast gelungen war in tiefe Meditation zu versinken, riss ihn das ohrenbetäubende Knarzen, Grollen, Schnarren und Keckern der Frösche wieder in die Gegenwart zurück.

Schließlich schleuderte er ein erbostes „SCHWEIGT!!!“ in die Nacht. Alle Menschen hätten sofort den Atem angehalten und wären demütig zu Boden gesunken, denn der alte Mann war ein Weiser und sie verehrten den Staub unter seinen Füßen, aber Büffelfrösche haben ihre eigene, sehr begrenzte Sicht des Universums. Für sie war der Weise lediglich ein bleicher, häßlicher Nicht-Frosch, der nicht einmal im Stande gewesen wäre, eine altersschwache Fliege an der Schwelle des Todes zu erbeuten.

Daher ignorierten sie ihn.

Der Weise war zunächst verblüfft, dann aber packte ihn ein bisher nie gekannter, gewaltiger Grimm. Er ballte die Faust und schrie Worte in die Nacht, wie sie noch nie zuvor ein Weiser gesprochen hatte. Die Natur hielt den Atem an und der Mond verbarg voll Scham sein rundes Gesicht. Ungläubiges Schweigen senkte sich über die Tropennacht und selbst das fröhliche Glucksen der Wellen und das sanfte Säuseln des Windes verstummten.
Die Frösche aber sangen unbeirrt weiter ihr Lied.

Außer sich vor Zorn ergriff der Weise Steine und schleuderte sie auf die quakenden Frevler - aber er war kein Krieger! Seine wahre Stärke war der Verstand und seine Waffen die scharfe Schneide des Wortes und obwohl keiner der Frösche auch nur um die Breite eines Kamelhaars zur Seite wich, widerfuhr ihnen kein Harm und ihr Lied schallte weiter durch die Nacht.

So verging die Nacht.

So verging auch die zweite Nacht!

Als sich der Weise in der dritten Nacht abermals am Ufer des Teiches niederließ, hörte er plötzlich eine Stimme tief in seinem Innersten: „Höre! Höre mit deinem ganzen Herzen!!“

Und der Weise hörte. Zum ersten Mal verdrängte er den mißtönenden Gesang der Frösche nicht aus seinem Bewußtsein, sondern lauschte ihm mit offenen Sinnen, gab sich ihm ganz hin. Ein plötzliches, tiefes Begreifen durchflutete ihn. Den Fröschen lag überhaupt nichts daran ihn zu stören, vermutlich war seine Person nicht einmal Bestandteil ihres begrenzten Weltbildes. Sie lebten mit all ihren Sinnen ausschließlich im „Jetzt“, frei von allen Sorgen um die Zukunft, eingebunden und getragen von der Schöpfung. Der Gesang war ein Spiegelbild ihrer eigenen kleinen Existenz, vielleicht Ausdruck von Zufriedenheit und Lebensfreude, vielleicht sogar eine Art Gebet. Da verwandelte sich der mißtönende Gesang der Frösche plötzlich in eine Sinfonie der Freude, voll Harmonie und Schönheit. Ein tiefer Friede durchströmte den weisen Mann und er neigte dankbar das Haupt. Er hatte die Antwort auf seine Frage erhalten: Das Bestreben mit ganzem Herzen zuzuhören, würde künftig sein Leben bestimmen.

Am nächsten Morgen trat der Weise an das Ufer des Teiches und sprach seinen Segen über die Frösche. Und noch viele Jahre später, glitt stets ein wissendes Lächeln über die runzligen Wangen des alten Mannes, wenn er von ferne den mißtönenden Gesang eines Büffelfrosches hörte.

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRFD

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