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Männlicher Orientierungssinn

Das Ende eines Mythos


maennlicherorientierungssinn.doc [44 KB] (Zum Daun-Loden anklicken!)

Wenn ich nicht beide Hände am Steuer hätte, würde ich mir jetzt ergrimmt die letzten Haare raufen. Ich bin einfach zu dämlich! Statt mich zu ärgern sollte ich jetzt eigentlich bis zur Halskrause voll freudiger Erwartung stecken. Ich war schon ewig auf keiner Bauchtanzshow mehr, und die überraschende Einladung einer befreundeten Tänzerin passte optimal in diese bauchtänzerische Entzugslücke. Das waren dann aber auch schon sämtliche positiven Aspekte dieses Tages. Muss ich mir allen Ernstes mal wieder beweisen was für ein cooler Typ ich bin und das Auto nehmen.

Ich fass es nicht!!

Zur kurzen Erläuterung: Der zuständige Bereich für das räumliche Vorstellungsvermögen und den Orientierungssinn ist bei Männern in der vorderen rechten Großhirnhälfte angesiedelt und stellt eine der am stärksten ausgeprägten Regionen des männlichen Gehirns dar. Diese Fähigkeit ermöglichte es schon dem Neandertaler nervtötend bewegliche Beute mit seinem Speer zu treffen (eine primitive Vorstufe des Dart-Spiels) und die proteinreiche potentielle Gürtellocherweiterung auch bei stockfinstrer Nacht und wabernden Nebelschwaden sicher zur heimatlichen Höhle zu schleppen.

Soweit zur Theorie!

Meine Liebe zum Orientalischen Tanz ist schon ein erster Anhaltspunkt für den desolaten Zustand meinen Macho-Gene und dieser Trend setzt sich auch auf anderen Gebieten fort. Es ist wirklich eine Schande! Ein Fußballspiel würde ich nur gefesselt und geknebelt über mich ergehen lassen, die Faszination eines Autorennens versetzt mich augenblicklich ins Tiefschlafkoma und keine zehn Pferde würde mich dazu bringen in den Eingeweiden meines Computers zu stöbern.

Und außerdem habe ich einen Orientierungssinn wie eine debile Miesmuschel, mein typischer Routenverlauf ist in der Regel die Spirale!

Angeblich können die meisten Männer in einem geschlossenen Raum sofort angeben wo Norden liegt.

Nun gut, mit minimaler Hilfestellung schaffe ich das auch. Ich brauche lediglich ein Fenster mit der aufgehenden Morgensonne, schon klappt´s! Außerdem, wofür zum Kuckuck sollte ich wissen wo Norden ist? In der Regel weiß ich nicht einmal wo ich bin, geschweige denn wo ich hin will. Es würde mir sowieso nicht im Traum einfallen eine Wegbeschreibung im typischen Winnetou-Jargon zu verbrechen: „Schleiche nach Osten, bis der Schatten deiner Nase die doppelte Breite einer Grizzlykralle beträgt und schwenke dann solange nach Süden, bis dein rechtes Ohr eine Außentemperatur von 40,5° C hat …etc. etc.“

Auch die typischen Trapper- und Waldläufer-Tipps empfinde ich nicht unbedingt als sonderlich hilfreich. Moos wächst also schwerpunktmäßig an der Westseite eines Baumes? Gut! Meinetwegen! Soll es doch! Ist ja schließlich ein freies Land!

Mein bisher einziger Versuch, dieses Wissen praktisch umzusetzen, scheiterte an der bodenlosen Ignoranz meiner Mitmenschen. Wer in regelmäßigen Abständen die Markierungspfosten entlang der Autobahn auf Moosbewuchs untersucht, provoziert fast schon handgreifliche Reaktionen der nachfolgenden Kraftfahrer.

Außerdem ändern sich die Himmelsrichtungen permanent mit dem Sonnenstand – äh, tun sie doch … oder? - und verwirren mich daher nur zusätzlich.

Immerhin habe ich einen klaren Favoriten in punkto Himmelsrichtungen: Norden! Wenigstens kann man die blöde Karte dann aufrecht halten. Jawohl, lacht ruhig, ich drehe die Karte jeweils in Fahrtrichtung und ich schäme mich kein bisschen deswegen. Bin ich Einstein, dass ich diese Drehung während der Fahrt und ausschließlich im Kopf vornehmen kann? Dann würde meine Maximalgeschwindigkeit künftig ungefähr bei 10 m/h liegen. Eigentlich sollte es von jeder Karte vier verschiedene Typen geben, damit die Lesbarkeit der Schrift in allen Drehrichtungen gewährleistet ist. Wäre vermutlich eine echte Marktlücke.

Eine heimtückisch aufkreuzende Kreuzung durchkreuzt meinen Gedankengang. Links geht’s nach – kenn ich nicht – und rechts ist es natürlich genau das Gleiche.

Warum hasst das gesamte Universum ausschließlich mich?

Immer wenn ich mir endlich mühsam die Orte „A“ und „B“ als Orientierungshilfe gemerkt habe, komme ich todsicher an eine Kreuzung mit den grandiosen Alternativen „C“ und „D“. Und egal welchen Weg ich wähle, es ist immer der Falsche.

Unausweichlich!

Dabei hilft auch messerscharfer Intellekt und brillante Logik absolut nichts: „Ich würde jetzt instinktiv links abbiegen - was natürlich sicher wieder falsch wäre - also biege ich statt dessen rechts ab und schon stimmt´s!“ Drei Stunden später lande ich dann unfehlbar wieder am Ausgangspunkt.

Ganz oben auf meiner Wunschliste steht weder Reichtum noch der Eintritt in eine höhere Bewusstseinssphäre oder die immerwährende Harmonie im Kosmos. Ich wünsche mir ausschließlich ein Satellitennavigationssystem.

Inzwischen hab ich wenigstens eine geniale Formel entdeckt, mit der sich meine ungefähre Fahrtzeit berechnen lässt: Mein systolischer Blutdruckwert eine halbe Stunde nach Abfahrt, dividiert durch Pi (3,14…) ergibt die Fahrzeit in Stunden.

Stimmt fast immer!

Wahrscheinlich wäre ein Taxi günstiger als meine üblichen Benzinkosten. Ich habe extra im Kofferraum einen zuschaltbaren Reservetank mit 500 Litern einbauen lassen. Vor allem bei Abkürzungen hat er mich schon oft vor dem Übernachten in unbekannter freier Wildbahn bewahrt. Decken, Lebensmittel und eine selbsthypnotische Beruhigungs-CD sind natürlich auch immer an Bord.

Inzwischen bin ich der festen Überzeugung, dass ich in völlig unvorhersehbaren Abständen durch gehässige Wurmlöcher im Gefüge des Kosmos immer wieder kurzfristig im Hyperraum lande. Doch, allen Ernstes! Wie sonst wäre es zu erklären, dass ich dieselbe Ortschaft dreimal hintereinander aus verschiedenen Richtungen erreiche? Magie kann echt nerven.

Können Sie die fröhlichen bunten Bildchen und verwirrenden Linien einer Straßenkarte blitzschnell in die Realität umsetzen, wenn es darum geht folgenschwere Entscheidungen bezüglich rechts oder links zu treffen? Ich nicht! Außerdem kann ich mir – vor allem in Städten - immer nur ungefähr einen Schildkrötensprung an Streckenweite einprägen, dann muss ich irgendwo anhalten und geistig nachtanken. Und wehe ich biege trotzdem versehentlich falsch ab!

Das legendäre Bermudadreieck befindet sich offensichtlich immer gerade da, wo ich unterwegs bin. Das ist verdammt unfair! Auch alle Umleitungen sind prinzipiell ausgerechnet auf meiner Reiseroute. Meistens mit einer Umleitung innerhalb der Umleitung und einer dritten in Gegenrichtung. Sehr komisch!

Im Alltag kann ich durchaus auf eine relativ normale Grundintelligenz zurückgreifen, aber die Großhirnareale für Orientierung müssen bei mir vollständig durch Silikonimplantate ersetzt worden sein. Ob ich nun einen Stadtplan oder ein Schnittmuster zur Hand nehme, das Endergebnis ist in beiden Fällen das Gleiche.

Niederschmetternd!

Mit Schnittmustern für bodenlange Abendkleider bin ich in der Regel sogar noch eine halbe Stunde schneller am Ziel.

Aber für heute reicht´s mir jetzt endgültig.

Es zeigt wahre Seelengröße eine Niederlage mit Würde hinzunehmen, ich wende und fahre wieder zurück in Richtung Heimat. Hoffe ich jedenfalls! Nach 2 Kilometern stoße ich auf eine Baustelle, die garantiert vorher noch nicht da war. Die übliche Verschwörung, natürlich wie immer mit Umleitung! Für die nächste halbe Stunde bewundere ich die Kehrseite eines Traktors, der noch temperamentvoller fährt als ich.

Reife Leistung!

Jeder Porsche würde sich bei mir nach einer Viertelstunde mit gebrochenem Motor freiwillig in die Isar stürzen. Aber wer will auch ein derart unpraktisches Vehikel? Hat nicht mal einen anständigen Dachgepäckträger und Anhängerkupplungen sind kaum aufzutreiben.

Im gemächlichen Zuckeltrab verlassen wir Krätzoberöding und tuckern dem strahlenden Sonnenuntergang entgegen.

He, Moment mal!

KRÄTZOBERÖDING???!

Es gibt doch tatsächlich noch gute Mächte im Kosmos, exakt hier wollte ich doch die ganze Zeit hin! Und da ist sogar das heiß ersehnte Hotel „Zum schuppigen Karpfen“, direkt an der Hauptstraße. Und da läuft auch schon die erste Tänzerin, erkennbar am asymmetrischen Gangbild bedingt durch die wuchtige Kostümtasche. Bauchtanz, ich komme. Am Ende aller Hoffnung, aber ich komme tatsächlich doch noch.

Welt, lass dich umarmen!

Ich hab´s ja schon immer gewusst:

Männliche Zielstrebigkeit lässt sich letztendlich durch keine Macht der Welt aufhalten!







Copyright ©
Werner David
85435 Erding, 2004
E-Mail: wernerimweb@web.de
Website: www.bauches-lust.de (Guckst du – lachst du!)

Oohl reits risöörfd

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