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Wildbienenliebe

wildbienenfortpflanzung.doc [37 KB] (Zum Runterladen anklicken)

Wildbienen-Liebe
Oder:
Ladies first? Nicht immer!



Es ist Mitte März. Bis vor drei Tagen hat sich der vermaledeite Schnee noch mit Zähnen und Klauen gegen den Frühjahrsbeginn gewehrt, aber jetzt ist endgültig Feierabend.

Technischer k.O.

Zieh Leine und laß dich bis nächsten November nicht mehr blicken! ENDLICH Frühling!!

Obwohl es erst der dritte warme Tag ist, tobt am Wildbienenhotel bereits der Bär. Eine Reihe der geschäftigen Winzlinge hat die Brutzellen in den Holzbohrgängen verlassen und wuselt emsig über das Holz. Entgegen aller Erwartung machen sie sich nicht auf die Suche nach den ersten noch spärlich vorhandenen Pollen- und Nektarquellen, sondern bleiben stur in unmittelbarer Nähe der Nistanlage.

Verblüffenderweise sind es ausschließlich Männchen!

Für den Laien stellt sich jetzt vielleicht die Frage, woran um alles in der Welt sich das erkennen lässt? Ganz einfach! Männchen haben sieben sichtbare Hinterleibssegmente, Weibchen nur sechs. Ganz zu schweigen von den 13 statt 12 Fühlersegmenten! Wenn also das nächste Mal ein 4 mm großer Winzling an ihrer Nase vorbeidüst, wissen sie Bescheid! Ein untrügliches, aber zutiefst verwerfliches, Bestimmungsmerkmal wäre es auch, das fragliche Exemplar mit dem Finger zehn Sekunden gegen den eigenen, nackten Bauch zu drücken.

Weibchen haben einen Giftstachel, Männchen nur einen Kopulationsapparat.

Man(n) muß eben Prioritäten setzen! J

Die Männchen warten auf die wichtigste Nebensache der Welt – ihre Weibchen, die erst einige Tage später schlüpfen, und ihre unverhohlenen Absichten sind nicht unbedingt die eines Gentlemans.

Wie schaffen es ausgerechnet die Männchen als erstes auf der Bildfläche zu erscheinen, obwohl die einzelnen Brutzellen in den Bohrgängen doch linear hintereinander liegen? Stellen Sie sich einfach einmal das Horrorszenario vor, Sie wären als ein liebestrunkenes Männchen der Letzte in der Reihe …!

Die Natur greift hier, wie so oft, zu einem genialer Trick; Männchen bekommen ausschließlich die „Fensterplätze“! Äh … dann lassen sie mich die Frage bitte anders formulieren: Wie kann das Weibchen bei der Eiablage „männliche“ und „weibliche“ Eier voneinander unterscheiden und sie entsprechend platzieren?

Röntgenblick? Kristallkugel?!

Um das zu verstehen, machen wir einen kurzen Exkurs in die Befruchtung der Säugetiere. Nach dem Startschuß kraulen Millionen von Spermien liebestrunken los, der flotteste Sprinter macht das Rennen und alle anderen schauen frustriert in die Röhre. Das Leben ist grausam!

Bei den Wildbienen läuft das völlig anders!

Die Spermien werden unmittelbar nach der Kopulation in einem speziellen Sammelorgan, der Samenblase „zwischengelagert“ und müssen daher zum Teil mehrere Wochen auf ihren großen Auftritt warten. (Wildbienenspermien neigen häufig zu Depressionen …) Erst direkt bei der Eiablage kommt es zur Befruchtung. Oder eben NICHT, das ist nämlich genau der Clou!

Aus befruchteten Eiern entstehen ausschließlich Weibchen, aus unbefruchteten ausschließlich Männchen, auf diese Weise kann das Weibchen ganz gezielt das Geschlecht des Nachwuchses determinieren; Männchen an die Front, die Weibchen bescheiden dahinter. Da vor allem die vordersten Brutzellen vermehrt von Parasiten aller Arten befallen werden, könnte man jetzt boshafterweise argumentieren, die Männchen werden als „Kanonenfutter“ verheizt, aber derartig ketzerisches Gedankengut sei fern von mir, und ich möchte einer fleißigen Wildbienendame nichts dergleichen unterstellen!

Bei den meisten Arten herrscht Proterandrie (das genaue Gegenteil von: Ladies first), das heißt die Männchen schlüpfen vor den Weibchen.

Die Weibchen verpaaren sich nur ein einziges Mal in ihrem Leben, unmittelbar oder zumindest kurz nach dem Schlüpfen aus den Brutzellen. Es ist daher durchaus sinnvoll, nicht lange nach dem Mann seiner Träume suchen zu müssen, sondern sofort eine entsprechende Auswahl an Heiratskandidaten zur Verfügung zu haben und sich anschließend in aller Ruhe auf den Ernst des Lebens konzentrieren zu können.

Time is honey!

Eine einzige Paarung genügt um die benötigte Sperma-Menge für ein ganzes Wildbienenleben sicher zu stellen und die Samenblase bis zum Anschlag aufzufüllen. Auch bei Mehrfachpaarungen „gewinnt“ also nur das allererste Männchen. Daher verpaaren sich Männchen mit möglichst vielen Weibchen, um im Idealfall wenigstens einmal in den Genuß von Vaterfreuden kommen zu können.

Da der Nachwuchs erst im nächsten Jahr schlüpft, wenn die Elterngeneration längst Ambrosia auf Wolke Sieben schlürft, gibt es für einen Generationskonflikt glücklicherweise nur wenig Ansatzpunkte.

Männchen – es ist mir ja wirklich peinlich, meine Herren -, beteiligen sich in keinster Weise am „Haushalt“, das heißt weder am Nestbau noch an den Verproviantierungsarbeiten der Brutzellen. Ihre – verglichen mit den Weibchen deutlich kürzere – Lebenszeit (Männchen 3-7, Weibchen 5-11 Wochen) verbringen sie ausschließlich mit der Suche nach paarungswilligen Weibchen. So betrachtet ist die Proterandrie („Männer vor“) eine geniale Lösung, die auch ein komplexes Balzverhalten völlig überflüssig macht.

Statt schweißtreibend Blüte für Blüte nach der Ersehnten abzuklappern, sich Flugmuskelkater zu holen und dabei zu guter Letzt auch noch versehentlich im Magen einer Spinne zu landen, braucht ein Männchen nur solange Däumchen (bzw. Tarsen) zu drehen, bis das nächste frisch geschlüpfte Weibchen an der Oberfläche erscheint und schon ist er am Ziel seiner Wünsche. Häufig wird ein Weibchen von vielen Männchen geradezu „belagert“. Da das Weibchen aber aktiv entscheidet, ob ein aufgerittenes Männchen zu Kopulation kommt oder nicht, hat es durchaus „Mitspracherecht“ bei der ganzen Sache, und kann sich ihren ganz persönlichen Adonis erwählen.

Der Rest ihres Lebens ist dann dem Nestbau und der Vorsorge für den Nachwuchs gewidmet.

Home, sweet home!



Copyright ©
Werner David
85435 Erding, 2005
Website: www.bauches-lust.de (Guckst du – lachst du!)

Oohl reits risöörfd



Literatur: Bienen: Beobachtung, Lebensweise
Müller/Krebs/Amiet, Naturbuchverlag 1997

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