Startseite
NEU: BUCHVERÖFFENTLICHUNG!
Taizé
Naturgarten und Bio-Logisches
   Neu
   Eindrücke
   Der ultimative Urlaub
   Links
Kreative Bildbearbeitung
Bauchtanzwonnen
Allgemeiner satirischer Rundumschlag
Downloads

Frühlingshafte Vorhauswonnen

fruehlingshaftevorhauswonnen.doc [16 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)

Licht!

Endlich!!

Nach den langen Monaten schummrigen Halbdusters durchströmt grelle Frühjahrssonne unser Vorhaus. Der Sonnenstand hat die typische Hausfrauenhorrorhöhe erreicht, jenen flachen Winkel, der durchschnittlich saubere Fensterscheiben wie Milchglas nach einer Mohrenkopfschlacht wirken läßt und hektische Frühjahrsputzaktivitäten einleitet.

Mannhaft widerstehe ich der Versuchung nach dem Fensterleder und Meister Propper zu hechten.

Mitten auf der Scheibe sitzt regungslos eine Stubenfliege. Ihr Körper ist von einem ringförmigen Hof aus kleinen weißen Punkten umgeben, die sich scharf im Gegenlicht abzeichnen. Sie sitzt bereits seit Oktober an der gleichen Stelle, eine Tatsache, die zu ausgesprochen düsteren Prognosen über ihren Gesundheitszustand führt.

Entomophthora muscae, der Fliegenschimmel, hat hier zugeschlagen! (Doch, den gibt´s tatsächlich!)

Dieser parasitische Pilz infiziert seine Opfer vor allem im späten Herbst. Bei Kontakt bleiben seine Sporen am Insekt hängen, über die Atemöffungen dringt das Pilzgeflecht ein und durchwuchert nach und nach das gesamte Körperinnere.

Nach dem Tod der Fliege wächst der Pilz wieder nach außen und schleudert dort seine Sporen ab, die den typischen weißen Hof um das Insekt bilden.



Nicht jeder Schwammerl ist so harmlos wie die Champignons auf der Pizza!

Wo die Scheiben im rechten Winkel aneinanderstoßen, liegt eine ganze Halde hohler Chitinrüstungen. Hier residierte im letzten Sommer Priszilla, eine kapitale Kreuzspinnendame. Das Fensterbrett ist mit weiß glänzenden Sommersprossen gesprenkelt, jeder Punkt markiert das Ende eines leichtsinnigen Insekts.

Eine solche Mahlzeit ist eine vertrackte Angelegenheit. Im Gegensatz zu uns kann die Spinne ausschließlich flüssige Nahrung zu sich nehmen (zur Oktoberfestzeit gibt es bei manchen Männern ähnliche Phasen), außerdem verschanzt sich das Abendessen unsportlicherweise hinter einem robusten Chitinpanzer. Wer je versucht hat eine stechlustige Bremse platt zu kriegen, kann das bestätigen.

Stellen sie sich einen ausgehungerten Kannibalen vor, der einen Ritter in voller Montur auf dem Teller hat. Als einzige Werkzeuge stehen ihm nur ein kleiner Bohrer und ein Strohhalm zur Verfügung.

Schlechte Karten!

Spinnen lösen diese Problematik echt elegant. Der Chitinpanzer wird an einigen Stellen mit den Kieferklauen durchlöchert wie die Dosenmilch beim Frühstück, dann wird die Beute von Kopf bis Fuß mit Verdaungssekreten „vollgesabbert“. Die verflüssigten Proteine können problemlos aufgesaugt werden. Fliegen-Shake nach Art des Hauses. Der Proteindrink im Fitneß-Studio ist rein prinzipiell auch nichts anderes.

Gebißprobleme entfallen auf diese Weise vollständig.

Priszillas Nachkommen, die hier als einjährige Jungspinnen überwintert haben, sind bereits emsig dabei, ihre filigranen, kaum handtellergroßen Netzchen zu spinnen. Ein Sprühnebel aus dem Blumenspray verwandelt sie in glitzernde Kleinode.

Fliegen sehen das vermutlich ganz anders!

Unser Vorhaus ist klein, ein sportlicher Hamster könnte es im Dreisprung der Länge nach durchmessen, bei Wind klappern die Scheiben in ihren Fassungen und einige eigensinnige Sprünge im Verputz trotzen jedem Moltofill-Einlauf.

Immerhin gibt es genug Platz für drei Blumenkästen. Natürlich nicht mit Geranien, sondern mit eingeborenem „Unkraut“. Ursprünglich mit fetter Komposterde, in der sich die Nährstoffe gegenseitig auf die Zehen traten. Die Pflanzen dankten es mit geradezu explosionsartigem Wachstum, bis sie nach einigen Wochen unter dem eigenen Gewicht kollabierten, wie ein O-beiniger Sumoringer. Ein Tag ohne Gießen und die grüne Pracht schlappte wie ein gestrandeter Haufen Seetang am Boden und warf mir empörte Blicke an den Kopf.

So nicht!

Ich lasse mich doch nicht von einem versoffenen Baldrian dumm anmachen!

Kurzerhand wurde der üppige Kompost durch spartanischen Sand ersetzt. Vom Schlaraffenland hin zur knallharten Askese.

Alle jetzigen Arten (Thymian, Lavendel, Oreganum, Wundklee, Hauhechel, Natternkopf, Karthäusernelke) sind Hungerkünstler, die auch tagelange, durch Gießunlust bedingte Dürrephasen, unbeeindruckt überstehen. Je weniger man sich um sie kümmert, desto problemloser blühen sie. Die winzigen Blüten des Sandthymians kann man nur unter der Lupe richtig würdigen, Wundklee, Natternkopf und Karthäusernelken protzen schon von weitem in üppigem Gelb, Blau und Rot.

Oreganum, Lavendel und Thymian duften im Sommer herrlich nach ätherischen Ölen, wesentlich intensiver als die mastig aufgeschwemmten Kompostexemplare. Durch den Nährstoffmangel bleiben die Pflanzen zierlich und bewahren sich ein sympathisches Bonsai-Kindchenschema. Selbst wenn ich hoffnungslos verpennt habe, verlasse ich das Haus nie, ohne wenigstens einen Blick auf jedes Exemplar zu werfen und kurz „Hallo!“ zu sagen. Die kleinen Wuzerl haben etwas ungemein beruhigendes.

Mehr so zum Spaß habe ich im letzten Herbst Samen der Karthäusernelke verstreut. Normalerweise enden meine Aussaaten als biologisches Schneckensalatbuffet, oder alles keimt wie verrückt - außer der angesäten Art.

Diesmal war der Erfolg überwältigend.

Mit stolzgeschwellter Vaterbrust betrachte ich die grünen Winzlinge. Dutzende von Jungpflänzchen knuffen sich energisch mit den grünen Ellenbogen, um den besten Platz an der Sonne zu erwischen. Die langezogenen, schmalen Blättchen sehen bei flüchtiger Betrachtung wie Gräser aus, deshalb sind die Keimlinge nur um Haaresbreite einer vernichtenden Jät-Aktion entronnen. Die Devise des Naturgärtners „Rupf nichts aus, was du nicht todsicher kennst!“ hat durchaus ihre Berechtigung.

Die geplante Minidüne vor dem Haus bietet sich als künftige Heimat für die halbstarken Karthäusernelken an.

Aber noch nicht gleich.

Wenigstens das Krabbelalter dürfen sie noch friedlich in ihren Kästen verbringen, gut geschützt vor frühjährlichem Sauwetter, bewacht von Priszillas Nachwuchs und Balsam für meine wintergeschädigte Gärtnerseele.

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRFD

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

Guckst du einfach mal rein!


Gewöhnlicher Hauptseitenhüpfer
Gewöhnlicher Hauptseitenhüpfer

Zur Rückkehr anklicken

Sitemap Haftungsausschluß Impressum Nach oben