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Villa Larvenblick

Spannerfreuden eines Wildbienenfreaks

Sobald ein eifriges Wildbienenweibchen ihre Brutröhre verschlossen hat, guckt der beobachtende Wildbienenfreund in die Röhre, bzw. guckt er eben nicht!

Dabei würde er schrecklich gerne "röhren"!

Um die Entwicklung der Larven zu verfolgen gibt es verschiedene Typen von Beobachtungsnistkästen, bei denen die Bohrgänge jeweils durch durchsichtige Röhrchen ersetzt werden.

Beobachtungsnistkasten Typ 1: Glasröhrchen:

In Glasröhrchen, die auf einer Seite komplett verschlossen sind (z.B. kleine Reagenzgläser) entwickelt sich rasch ein optimales Mikroklima.

Für Pilze!

Durch den mangelnden Gasaustausch entsteht ein tropisches, feucht-warmes Klima im Inneren der Röhrchen, ein Großteil der Brut wird ruckzuck von Pilzen überwuchert und stirbt rasch ab. Nicht jeder Schwammerl ist ein harmloser Champinion auf der Pizza! Hinten offene Glasröhrchen sind zwar minimal besser, aber auch hier bildet sich rasch Kondenswasser im Inneren und die Anlage eines Kleinaquariums ist ja eigentlich nicht das primäre Ziel.

Beobachtungsnistkasten Typ 2: Plexiglasröhrchen

Eine Stufe besser sind Röhrchen aus Acrylglas (Plexiglas), die hinten mit einem kleinen Wattebausch verschlossen werden. Bei einer umfangreichen Studie von Fritz Brechtel (Die Stechimmenfauna des Bienwaldes und seiner Randbereiche, Bad Dürkheim 1986) lag die Mortalitätsrate je nach Bienenart zwischen 14% (Osmia adunca) und 93% (Hylaeus communis). Arten mit dichten Zwischenwänden und kompakten Nahrungsvorräten, die die Durchlüftung noch weiter erschweren, hatten hier eindeutig die schlechtesten Karten.

Die Larven-Wiege
Die Larven-Wiege

Holzklötzchen mit ausgefräster Nut und aufgenagelter Plexiglas-Scheibe.

Beobachtungsnistkasten Typ 3: Holz und Plexiglas

Das Holz kümmert sich um den optimalen Gasaustausch, die Plexiglasscheibe sorgt für Durchblick. Die ideale Kombination!

Ein Beobachtungsnistkasten nach diesem Prinzip kann für 40 Euro als Bausatz bei der folgenden Adresse bezogen werden:

Schulbiologiezentrum des Landkreises Marburg-Biedenkopf
Am Freibad 19
35216 Biedenkopf

Tel: 06461-951850
Fax: 06461-951852
E-Mail: sbb@schubiz.marburg-biedenkopf.de

Der Kasten besitzt 16 Bohrungen an der Frontseite, jeweils 4 mit 2, 4, 6 und 8 mm Durchmesser. Eine kleine Dose umweltfreundliche Holzschutzlasur wird mitgeliefert. Der Kasten ist komplett montiert, lediglich die Metallwinkel müssen noch innen an der Türe angeschraubt, und die Holzklötzchen mit der ausgefrästen Nut mit Gummiringen an den Winkeln befestigt werden.

Der einzige Punkt der negativ auffällt sind die unsauberen Bohrungen. Das Holz war gesplittert und mußte bei fast jeder einzelnen Bohrung nachgeschliffen werden. Ansonsten ist der Kasten gut verarbeitet, sogar ein kleines Vorhängeschloß wird mitgeliefert.

Die Metallwinkel werden im 45°-Winkel angeschraubt, die Nut der Holzklötzchen muß sich jeweils mit der davor liegenden Bohrung (beim ersten Loch links oben sichtbar) decken. (Ist ja auch irgendwo naheliegend, die wenigsten Wildbienen haben ein Stemmeisen dabei). Die Larven-Wiegen werden mit Gummiringen befestigt, ich werde allerdings auf Klebeband umsteigen, damit die Plexiglas-Scheiben beim Fotografieren komplett frei sind.

Bienen können Rot als Farbe nicht wahrnehmen, bei ihnen ist das Spektrum in Richtung Ultraviolett verschoben. Bei der Verwendung von roten Plexiglasscheiben lassen sich die Bienen daher möglicherweise auch bei geöffneter Tür nicht in ihrem Nestbauverhalten stören. Käme auf einen Versuch an!

Wer handwerklich einigermaßen geschickt ist, kann sich das Ganze vermutlich auch selbst zusammenbasteln. Zur besseren Betrachtung der Larven-Wiegen kann die Türe einfach ausgehängt werden. Sobald eine Niströhre komplett besetzt ist und die Biene das Einflugloch verschlossen hat, kann man das entsprechende Klötzchen auch entfernen und zur weiteren Beobachtung an einem geeigneten dunklen Ort mit Außentemperatur "zwischenlagern", bis die Bienen schlüpfen. Die Entwicklung der Larven läßt sich so nach und nach optimal im Bild festhalten. Um zu vermeiden, daß die Bienen am 24. Dezember in fröhlicher Frühlingsstimmung schlüpfen, sollten sie auf keinen Fall in einem warmen Zimmer gelagert werden!

Sobald der Verschlußmörtel an der Türe entfernt und eine neue Larven-Wiege angebracht ist, kann bereits der nächste Mieter einziehen.

Wenn sich die ersten sechsbeinigen Interessenten mit vollen Pollenhosen bei mir einstellen werde ich natürlich umgehend berichten!

Wenn´s doch schon April wäre ...!

Beobachtungsnistkasten Typ 3: Holz und Plexiglas (Variante)

Entworfen und gebaut wurde dieser professionell gestaltete Nistkasten von Hans-Jürgen Martin dem Schöpfer von http://www.wildbienen. de einer fantastischen Fundgrube für alle, denen Wildbienen ans Herz gewachsen sind.

Eine ausführliche Bauanleitung des Kastens mit zahlreichen Fotos findet sich unter

http://www.wildbienen.de/ebschutz.htm

Wer Glück hat, kann den fertigen Kasten auch direkt vom Entwickler beziehen. Zitat Hans-Jürgen Martin:

"Der geschilderte Demo-Kasten ist allein wegen des benötigten Werkzeugs nicht einfach zu bauen. Der Autor bietet ihn deshalb auch zum Kauf an, sofern er gerade ein Exemplar vorrätig hat oder einer Vorbestellung nachkommen kann. Die Heimwerkstatt ist allerdings nur sporadisch in Hobby-Betrieb, der Preis beträgt 25 €."

Bei diesem Kastentyp befinden sich die Einfluglöcher seitlich an der Schmalseite des Kastens, wahlweise auf der rechten oder der linken Seite. Das Gehäuse wird mit einer Schraube am Untergrund befestigt. Es besteht aus witterungsbeständigem Multiplex (wasserfest verleimtes Sperrholz) und ist noch zusätzlich mit einer wasserdichten Plastik-Schindel abgedeckt.

Der gesamte Innenteil aus atmungsaktivem Buchenholz läßt sich zur Beobachtung wie eine Schublade herausziehen.

Jedes Flugloch an der Außenseite des Kastens mündet im Inneren in einem Holzblock mit einer sauber gefrästen Nut, die von einer Plexiglasscheibe bedeckt wird.

Zum Fotografieren kann der komplette Innenteil herausgezogen und optimal beleuchtet werden. Spiegelungen im Plexiglas lassen sich mit einem Polfilter reduzieren.

Seit heute hängt das Prachtstück an meiner Hausmauer, sobald der erste Mieter einzieht werde ich umgehend berichten.

Endlich Nachwuchs!

31.04.04

Es ist soweit, halleluja! Eine solitäre Wespe hat den ersten Nistklotz komplett besiedelt und wieder verschlossen, momentan arbeitet sie gerade am zweiten Loch.

Mama Wespe in voller Schönheit

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Im Hintergrund ist das von der Decke hängende Ei zu erkennen.

Die Nächte und lausige Regenwetter-Phasen verbringt Mama Wespe gut geschützt im Nest. Wer würde bei so einem Sauwetter auch rausgehen?

Das Ei gleicht einer kleinen Banane mit abgerundeten Ecken und hängt mit einem hauchdünnen Fädchen von der Decke der Brutzelle. Es wird abgelegt noch bevor die erste Raupe eingetragen wird.

Der Proviant für den Nachwuchs besteht aus ca. 5 Raupen pro Zelle, die jeweils durch einen Stich gelähmt werden.

Die prallen, glänzenden Wespenlarven wachsen mit verblüffender Geschwindigkeit, während sie ihr Raupen-Buffet Stück für Stück dezimieren.

Tag der Eiablage. Bisher ist ausschließlich die Verpflegung für die Wespenlarven in Sicht. 
Zwei Tage nach der Eiablage. Glänzende Wespenlarve in der dritten Zelle von links.  
Fünf Tage nach der Eiablage. Nur noch die knackig-prallen Wespenlarven sind sichtbar, die Raupen wurden bereits zu einem Großteil verspeist.  
Sieben Tage nach der Eiablage. Heute ist wirklich kein Krümel Raupe mehr übrig, bleibt also nur noch die Verpuppung. 
Neun Tage nach der Eiablage. Bis auf einen Nachzügler haben alle Larven ihre Zellen zugesponnen um sich zu verpuppen. 
Zehn Tage nach der Eiablage. Das war´s dann! Auch die letzte Larve beginnt sich einzuspinnen um sich auf die lange, zwölfmonatige Ruhephase vorzubereiten. Möge ihr Schlummer ungestört bleiben! 

Larven in verschiedenen Entwicklungsstadien

(Kleine Anmerkung: Die Wespenlarven waren zwar sicherlich verblüfft, haben mir die Sitzung für den Foto-Termin aber nicht weiter verübelt. Alle haben sich normal weiter entwickelt und sind bereits verpuppt.)

Feierabend! Nur noch das Einflugloch zumauern, dann ist die Nachkommenschaft für dieses Jahr endgültig auf sich selbst gestellt.

Das Nest wird mit Erde verschlossen.

Da die erste Brutzelle frei bleibt - vermutlich als Schutz vor Parasiten - kann das Nistklötzchen bequem abgenommen werden um Raum für ein neues Appartement zu schaffen.

Kein Happy-End

Das war´s dann endgültig!

Ein Ei hängt noch von der Decke, eine einsame Raupe wartet auf Gesellschaft, aber die Wespe blieb unauffindbar verschollen. Bei sozialen Bienen und Wespen kann die Königin auf ein Heer von Arbeiterinnen zurückgreifen die sich um den Außendienst kümmern. Solitäre Bienen und Wespen müssen sich um sämtliche Aufgaben selbst kümmern und speziell der Außendienst birgt nun mal auch seine Risiken.

Als Erbe bleiben 17 ordnungsgemäß verpuppte Wespen-Larven, die hoffentlich im nächsten Frühjahr alle schlüpfen werden.

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