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Schleimschlacht-Serenade

schleimschlachtserenade.doc [42 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)


Eröffnungsfeier!

Eröffnet wird ein Paket meiner Lieblingsstaudengärtnerei.

Die nickende Kratzdistel (Carduus nutans) hatte keine Chance ihrem Namen Ehre zu machen, sie wurde für den Transport radikal geköpft. Brutales Volk! Der Alpenmilchlattich (Cicerbita alpina), ein intensiv blau blühender Korbblütler, ist diesem Schicksal entgangen, bei 2 cm Gesamthöhe auch kein Wunder. Eines der Exemplare wirkt etwas „zerzauselt“, nach dem zweiten Blick entdecke ich auch warum. Am Grunde der Blattrosette hockt eine selig mümmelnde spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus). Sie mustert mich mit einem Gesichtsausdruck als wollte sie sagen: „Hast du einen Termin? Wenn nicht, zieh Leine - ich esse!“

Diese ursprünglich aus Spanien stammende Art wurde vor ca. 30 Jahren bei uns eingeschleppt und war von unserem feucht-kühlen Klima derart begeistert, daß sie sich hemmungslos vermehrte und heimische Arten teilweise verdrängt hat. Vermutlich interessieren sich Schnecken sowieso nur wenig für Stierkampf, am Strand liegen sie auch nicht und die spanische Sonne geht ihnen auf die Nerven.

Willkommen in Bayern also!

Ungeachtet meiner tiefen Achtung fremder Kulturen taucht der kulinarische Meuchler kurzfristig in die Erdumlaufbahn ein und landet in hohem Bogen im benachbarten Rapsfeld.

Ole! Amnesty international möge mir verzeihen.

Der Alpenmilchlattich erhält einen Ehrenplatz im Schatten unseres Birnbaums.

Am nächsten Morgen trifft mich fast der Schlag, sechs Pflanzen scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Verräterisch glänzende Schleimspuren und leises Rülpsen aus dem Unterholz verrät die Übeltäter. Jetzt reicht´s!

Schnecken spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung verrottender Substanzen und beschleunigen so die Humusbildung. Gut!

Sie sind ein Bestandteil der Nahrungskette und stehen auf der Speisekarte von Amphibien, Vögeln, Insekten, Igeln und Menschen. Auch gut!

Das gibt ihnen aber absolut nicht das Recht, meinen geliebten Milchlattich umzufräsen. 90% meines Gartens sind eine Schnecken-schutzzone mit vollwertigem Buffet, aber die restlichen 10% verteidige ich mit Zähnen und Klauen. Wenn ihr Krieg wollt, sollt ihr ihn haben! Grimmig entkorke ich ein Erdinger Weißbier. Nicht um meinen Kampfgeist zu stärken, sondern um die biologische Kriegsführung einzuleiten. Blutenden Herzens fülle ich den edlen Gerstensaft in die eingegrabenen Joghurtbecher.

Bayerisches Reinheitsgebot kontra spanischer Appetit.

Das säuerliche Aroma zieht die Schnecken im Umfeld magisch an. Nach einem fröhlichen Umtrunk rutschen sie beduselt nach unten, um mit 2 Promille im Schneckenparadies aufzuwachen. Ein schlagender Beweis für die fatalen Folgen von Freibier. Die Wirkung am nächsten Morgen ist durchschlagend. Die Nachricht „Freibier“ muß durch den Garten gerast sein wie ein Lauffeuer. Ein Sediment aus den Liebhabern der Erdinger Braukunst füllt die Becher fast bis zum Rand. Es wimmelt von Nacktschnecken. Unglücklicherweise wurde auch eine strikt antialkoholische Fraktion angelockt. Nachdem sie schon mal da war, beschloß sie gleich zum Essen zu bleiben.

Schnecken besitzen eine Raspelzunge (Radula), die mit vielen Tausenden von nach hinten gerichteten Zähnchen besetzt ist (bei der Weinbergschnecke 20.000 - 25.000). Die Radula nützt sich am vorderen Ende ab, wächst aber kontinuierlich von hinten nach. In Verbindung mit den durch Kalkeinlagerungen verstärkten chitinigen Kiefern, ist dieser Bio-Bandschleifer extrem leistungsfähig und fräst sich durch das Grünzeug wie ein Sumoringer durch die Reistafel.

Da war es nur noch ein Milchlattich!

Und jetzt?

Soll ich nachts im Stechschritt um den letzten Lattich patrouillieren?
Eine ausgehungerte chinesische Laufente anleinen?
Tretminen vergraben und Starkstromzäune spannen?
Schnecken können manchmal echt nerven!

Aldi liefert die Lösung.

Eine Polyethylenschale, die bis vor kurzem noch leicht angematschte Kiwis beherbergt hat, wird zum Minigewächshaus umfunktioniert. Löcher für den Gasaustausch sind bereits vorhanden, ein Ziegelstein entschärft die Windgefahr. So! Jetzt könnt ihr euch mit sabbernden Speicheldrüsen die Fühler an der Wand plattdrücken.

Big brother-Lattich.

Berauscht von der eigenen Genialität begutachte ich mein Werk am nächsten Morgen.

Auf den ersten Blick ist nichts Grünes zu erkennen. Auf den zweiten auch nicht! Ungläubig hebe ich die Schale ab. Ein zwei Millimeter langer Strunk blinzelt mich vorwurfvoll an. Das glaub ich doch einfach nicht. Wo sind die Mistviecher? Weit und breit keine Schnecke in Sicht. Nicht mal eine Schleimspur. Verwirrt begutachte ich die Schale.

Ha!

In der Ecke sitzen zwei winzige Schnecken-Teenager. Sie müssen sich durch die Luftlöcher gequetscht und dann einen wahrhaft titanischen Appetit entwickelt haben. Möge sie tausendfaches Sodbrennen, Schluckauf und Durchfall heimsuchen. Wieder wird der Erdinger Luftraum kurzfristig von zwei Schnecken auf dem Weg ins Rapsexil besiedelt. Nächstes Mal werde ich euch liebevoll mit biologischem Schneckenkorn auf Eisen-III-Phosphat-Basis mästen.

Und überhaupt finde ich blaue Korbblütler sowieso häßlich!

(Sniff!)



P.S: Psst! Mein massakrierter Lattich treibt wieder aus! Heute morgen habe ich drei winzige Blatt-Rosettchen entdeckt. Aber sagen sie es um Gottes Willen nicht weiter!

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRFD

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

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