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Ein wahrer Naturfreund





einwahrernaturfreund.doc [21 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)

Tag der offenen Tür im
Naturgarten von Dr. R. Witt,
Naturgarten e.V.


steht in schwungvollen Lettern auf dem Flugblatt.

Der Leser, ein wettergegerbter, zerknitterter Endfünfziger stellt das Schneckenkorn beiseite und schnaubt verächtlich.

Naturgarten!

Wenn er so was schon hört.

Wie sieht denn bitte ein
Un-Naturgarten aus?

Plastikrasen?

In puncto Garten kann ihm keiner was vormachen. Schließlich ist er nicht umsonst Gründungsmitglied des Gartenvereins „Zur lauschigen Thuja“. Immer mit gutem Beispiel voran, ein Ökologe der ersten Stunde.

War er nicht einer der ersten, der seinen Rasenmäher auf bleifreies Benzin umgestellt hat? Sein Vertikulierer läuft sogar mit Kat!

Der Nachbar meckert immer von wegen Ruhestörung. Aber nachts quaken dann seine bescheuerten Frösche mit einer Lautstärke, als würde Pavarotti persönlich abgestochen.

Rücksichtslos sowas!

Einmal Froschschenkel und das Problem wäre gelöst. Vielleicht kann man ja irgendwo einen Storch mieten.

In seinem eigenen Garten ist Gott sei dank alles tipptopp.

Hut ab vor der Chemie kann er da nur sagen!

Keine bei Vollmond gerührten schleimigen Kräuterbrühen, kein zum Himmel stinkender Brennesselsud, keine geraspelten Kuh-Hörner oder ähnlich abergläubischer Unfug. Und welche Phase der Mond gerade hat ist ihm auch ziemlich wurscht.

Bei ihm kriegt die Pflanze was sie wirklich braucht. Nicht mehr und nicht weniger.

Ohne Fungizide, Insektizide, Herbizide und all die anderen feinen Sachen sähe die Natur inzwischen ganz schön alt aus!

Aber anständige Chemie bitte!

Auf keinen Fall gentechnisch verhunzten Mist. In puncto Ökologie ist er eisern, da versteht er keinen Spaß.

Für die Natur nur das Beste, das ist seine Devise. Klar kommt das teuer, aber es lohnt sich!

Schon dreimal hat er den begehrten goldenen Gartenzwerg als Trophäe für den ordentlichsten Garten eingeheimst. Das soll ihm da erst mal einer nachmachen.

Seine Thujenhecke zum Beispiel: Steht akkurat wie eine Eins! An den Kanten kann man sich rasieren. War auch viel Arbeit.

Und davor die chinesischen Fichten und die sibirische Blautanne. Wegen der Artenvielfalt!

Ein grünes Bollwerk gegen diesen alternativen Müslimampfer mit seinem Möchtegernrasen nebenan. Da wachsen sogar Gänseblümchen. Und Löwenzahn! Unglaublich!! Der Typ mäht aber auch nur alle paar Monate. Liegt gemütlich in der Hängematte und schaut den Krabbelviechern zu, statt seinen Allerwertesten in Bewegung zu setzen und zu jäten.

Flowerpower-Heini!

Muß man sich mal vorstellen, ständig der Ärger mit den verflixten Flugsamen. Eigentlich ja Hausfriedensbruch! Die respektieren überhaupt nichts! Kaum dreht man sich kurz um, schon schießt der Dschungel in die Höhe.

Zur besseren Verteidigung hat er sich jetzt den neusten vollautomatischen Rasenschutz, Modell „Vendetta“, geleistet.

Kleiner als ein Schuhkarton aber bis zur Halskrause voll mit High Tech.

Solarzellenbetrieben, versteht sich ja von selbst. Alternative Energien und so! Auf den ersten Blick sieht die Kiste aus wie ein hochbeiniger Spielzeug-Panzer, aber die Kleine hat’s in sich.

Der optische Sensor an der Unterseite registriert mit Argusaugen Unkraut jeder Art.

Das nenne ich Fortschritt!



Jeder illegal eingewanderte Keimling wird unverzüglich mit einem kurzen Flammenstoß in den Kräuterhimmel befördert.

Mit umweltfreundlichem Propangas!

Beim ersten Einsatz hat er allerdings fünf Reihen Radieschen und sämtliche Kopfsalat-Pflänzchen verloren. Und die Nachbarskatze hat seitdem ein versengtes Schwanzende.

Der Kundendienst hat aber alles sofort neu programmiert. Kompetente Leute! Die Kröte neulich hatte leider trotzdem Pech, da war nichts mehr zu retten.

Sonst achtet er schon auf irgendwelche Reptilien, erst neulich hat er einen Frosch in die Regentonne gesetzt. Nach vier Wochen ist er leider tot in der Tonne geschwommen, vermutlich war er schon alt.

Später will er das Gerät noch zusätzlich mit dem Anti-Wurm-Modul aufrüsten. Damit er endlich den Ärger mit diesen Wurmhäufchen los hat. Nichts gegen Würmer, aber bitte wo anders.

Ein paar kleine, harmlose Stromstöße und schon düsen sie wie der Blitz nach oben.
Das ganze rosa Geschlängel schmeißt er dann heimlich zu diesem Hanfhosen-Hippie nebenan. Wenn bei dem ein paar Pflanzen eingehen, fällt es sowieso nicht auf.

Sauverhau, liebloser!

Grimmig setzt der Liebhaber grüner Freuden seine Lektüre fort.

„Blumenwiesen“?!

Blühender Unsinn!

Da sieht man ja vor lauter Unkraut den Rasen nicht mehr.

Soll er vielleicht die Sense schwingen wie Gevatter Tod persönlich? Eine lächerliche Vorstellung! Schließlich trägt sein Rasenmäher den blauen Umweltschutzengel.

Finsterste Steinzeit sowas!

Hat dieser Typ noch nie was von Allergien gehört? Die ganze Gegend mit diesem verdammten Blütenstaub versauen, so was kann auch nur einem Akademiker einfallen. Sich mit rotverschwollenen Augen die Seele aus dem Leib zu niesen!

Nicht zu fassen!

Und das ganze Viehzeug!

Der Naturfreund kratzt sich unwillkürlich erschauernd. Soll man denn nicht mal mehr sein redlich verdientes Bier im Garten trinken können, ohne daß sich sofort Horden von irgendwelchen Kamikazi-Krabbelviechern darin ertränken?

Zum Glück gibt es diese praktischen UV-Lampen. Biologisch absolut unbedenklich, darauf achtet er konsequent. Das Viehzeug wird vom Licht magisch angezogen und landet auf einem elektrisch geladenen Metallgrill.

Das war´s dann, kurz und schmerzlos.

Nützliche Bienchen sind um diese Zeit sowieso nicht mehr unterwegs. Die fetten Nachtfalter platzen mit einem Knallen fast wie Popcorn, irgendwie gemütlich.

Schmetterlinge sind natürlich etwas ganz anderes, die gefallen ihm. In seiner Thujenhecke hat er geschickt zehn tropische Exemplare aus witterungsfestem PVC plaziert. Viel größer und farbenprächtiger als die einheimischen Micker-Arten. Im Winter sieht es besonders hübsch aus. Aber für Schönheit hat dieser komische Schreiberling vermutlich kein Verständnis.

Mit einem empörten Schnauben widmet sich der Freund der Schmetterlinge weiter dem schon bedrohlich zerknüllten Informationsblatt.

„Feuchtgebiete“!

Uralte Kamellen!

Sein Teich geht schon ins zehnte Jahr. Die kleine Burgruine am Rand hat er mit eigenen Händen betoniert. Auf Gartenzwergekitsch steht er nämlich nicht. Seit er regelmäßig einen Löffel WC-Frei einstreut, hat er endlich keinen Ärger mehr mit dem schleimigen Algenzeug. Seitdem verstopft auch der kleine Springbrunnen nicht ständig.

Manchmal findet er tote Vögel, aber nur ganz selten. Die haben vermutlich beim Nachbarn irgendwelche giftigen Raupen erwischt. Oder Haschisch! Kein Wunder in dem Verhau!

Würde bei ihm nicht passieren!

Er hat sogar drei selbstgebaute Nistkästen aus stabilem Blech aufgehängt, weil er die Vögel so gerne singen hört. Extra mit durchsichtigem Dach, daß er alles gut beobachten kann.

Vorsichtshalber hat er das ganze dann noch mit Sagrotan desinfiziert und dick mit Flohpulver bestäubt, damit die armen Viecher sich nicht ständig kratzen müssen.

Schade, daß die Kästen bisher noch nie besetzt waren. Liegt sicher an diesen Mistkatzen vom Nachbarn.

Und im Winter füttert er bei jedem Wetter, da kennt er nichts, Artenschutz ist schließlich selbstverständlich für einen engagierten Naturliebhaber.

Statt die Zeit mit albernen Flugblättern zu vertrödeln wie dieser Dr. Witt hier, ist er ein Mann der Tat. Er packt an, wo es Not tut.

Der Naturschutz braucht Leute mit Engagement.

Ein letztes Mal gleitet sein Blick über das ramponierte Flugblatt. Plötzlich schwellen seine Schläfenadern bedrohlich.

„Totholz“!

Also, das ist ja echt das Letzte!

Da sind diese degenerierten Birkenstock-Freaks zu geizig sich einen vernünftigen Schredder zu kaufen, schmeißen den ganzen Müll auf einen Haufen und nennen das Ganze dann hochtrabend ein Biotop.

„Der natürliche Kreislauf von Werden und Vergehen“! Sehr richtig, da vergeht ihm wirklich alles!

Keinen Schimmer von wertvollen Rohstoffen diese Möchtegernökofritzen.

Berge von vergammeltem Holz!

Pfui Teufel!

Schimmel gehört auf den Käse, aber doch nicht in den Garten. Weiß der Teufel, was da alles an Krankheitserregern drinsteckt? Vermutlich BSE und Viren und lauter so Zeugs. Termiten und Flöhe schleppt man sich wahrscheinlich auch ein. Und wie das aussieht!

Müllkippe vom Feinsten!

Seine Biotonne ist immer randvoll, deshalb könnte man von seinem Rasen sogar essen. Schönes, gesundes Grün, wie es sich für einen artgerechten Rasen gehört.

Seit er gelesen hat, daß Aktivkohle üble Gerüche bindet, wirft er immer noch ein Brikett in die Biotonne. Aus Rücksicht auf die Umwelt. Da schaut er auch nicht aufs Geld. Leider sind nicht alle so rücksichtsvoll wie er.

Das zerknüllte Flugblatt fliegt im hohen Bogen über die preisgekrönte Thujenhecke. Ist ja biologisch abbaubar, vielleicht taugt es wenigstens als Dünger!

Mit frischem Schwung holt der Naturfreund die vielfach bewährten Wühlmausgaspatronen aus dem Schuppen. Sollen die Viecher bei seinem chaotischen Nachbarn glücklich werden, aber hier nerven ihn die häßlichen Haufen.

In der Dämmerung beginnt eine Nachtigall ihr schmelzendes Lied. Der Naturfreund lauscht ergriffen und schämt sich seiner Tränen der Rührung nicht.

Was gibt es Schöneres, als ein Leben im harmonischen Einklang mit den Gesetzen der Natur!

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRFD

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

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