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Mäusemamas Martyrium

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Villa Maus in wüster Aufruhr

Es ist Anfang März und der Frühling fetzt mit Siebenmeilenstiefeln durch den Garten. War ja auch wirklich Zeit, dieses Mal war ich schon kurz davor in die Tropen auszuwandern!

Zahllose Schlüsselblumen im hellen Nektarzapfsäulen-Gelb sind über Nacht aus dem Boden geschossen wie die Spargel und zwei Meisen liefern sich einen erbitterten Sängerwettstreit in den Zweigen unseres Birnbaums. Ihr melodisches Lied preist nicht unbedingt die Freuden des Frühjahrs, sondern dient deutlich pragmatischeren Zwecken. Sinngemäß übersetzt heißt es in etwa: „Scher dich aus meinem Revier, du Penner!“

Nachdem gestern schon die erste Hummelkönigin ihre dröhnenden Kreise durch unseren Garten gezogen hat, wird es höchste Zeit das „Geöffnet“-Schild an unseren Hummelnistkasten zu hängen. Um zu schauen, ob das Moosnest im Inneren auch wirklich ein jedes Hummelherz höher schlagen lässt, hebe ich den Deckel für einen letzten Kontrollgang des Zimmerservices ab. Irgendeine Überraschung finde ich jedes Frühjahr in unserem Hummelkasten und ich spähe neugierig ins Innere.

Na also, wußt ich´s doch!

Fast jeden Winter residiert hier eine standesbewußte Maus und lässt es sich gut gehen. Vielleicht sollte die Firma Schwegler auch noch spezielle Mäuseschlafzimmer in ihr Sortiment aufnehmen, nachdem schon die Hummelnistkästen ein derartiger Erfolg in der Mäusewelt sind. Trocken, geräumig und warm, das optimale Winterdomizil. Auch die Verpflegung war offensichtlich in Ordnung, wie ein großer Haufen aufgebissener Kirschkerne zeigt.

Das muss natürlich sofort fotografisch archiviert werden. Beim leisen Klicken des Auslösers erscheint in der Öffnung des Moosnests wie hingezaubert der Kopf einer kleinen Maus, die mich mit ihren schwarzen Knopfaugen mustert. Ich habe keine Ahnung wer von uns beiden verblüffter ist. Ich beäuge fasziniert den kleinen Nager, dieser äugt, vermutlich deutlich weniger enthusiastisch, zurück.

Äh … und nun? Wer zuerst wegschaut hat verloren, oder wie? Mein Gott, du bist ja wirklich zum Auffressen goldig.

Nachdem die Kamera sowieso schon in Position ist, brauche ich lediglich das Objektiv leicht anheben und abdrücken. Das ist nun doch eindeutig zuviel für das angegriffene Nervenkostüm des gestressten Mäuschens. In derartigen Notfällen scheinen Mäuse einen Raketentreibsatz am Allerwertesten zünden zu können, das kleine Pelzknäuel knallt fast durch die Schallmauer und verschwindet mit einem Panthersatz in der Pappröhre, die Innenraum und Flugloch verbindet.

Das hat folgenschwere Konsequenzen!

Erkenntnis Nr. 1:

Das sportliche Mäuschen ist eine vielbeschäftigte Mutter und keineswegs allein.

Erkenntnis Nr. 2:

Ein Mäusebaby, das sich nach hartem Kampf mit seinen Geschwistern endlich die ersehnte Lieblingszitze erkämpft hat, denkt nicht im Traum daran das Freude spendende Objekt loszulassen, auch wenn Mama unversehens komplett durchknallt.

Die Folgen dieses gesegneten Appetits sind spektakulär:

Aus der Pappröhre ragt nun in der Mitte ein Mäuseschwanz, umgeben von drei goldigen Mäusebabyhintern, die am Vorderende offensichtlich immer noch an den Zitzen hängen. Als biologisches Brems-Scheiben haben die Kleinen ihre Mama wirkungsvoll zum Stehen gebracht, indem sie nun zu dritt das Rohr verstopfen wie ein Sektkorken den Flaschenhals.

Hungertod ist nun mal grausam!

Ein weiteres Junges war offensichtlich zu „griffstutzig“, hat den Anschluß verloren und hockt nach einem unfreiwilligen Salto etwas verdattert zwischen Moosnest und Pappröhre. Im Nest selbst liegen noch weitere Junge, allesamt noch nackt, blind und noch nicht unbedingt Anwärter auf die Wahl zur „Miss Maus 2004“.

Es herrscht heller Aufruhr, aus allen Ecken dringt empörtes „Du-hast-sie-wohl-nicht-mehr-alle!“-Quietschen.

Verdattert mustere ich das unfreiwillig ausgelöste Mäusechaos.
Ich würde zu gerne wissen, was sich die arme Maus jetzt wohl denkt. Vermutlich verpfeift sie mich gerade bei Amnesty international!

Also, äh… tut mir ja wirklich echt leid, ich wusste nicht dass jemand daheim ist, ich gehe dann jetzt wohl besser wieder … !
Auch wenn es vermutlich völlig unverzeihlich ist, ich schieße noch in wilder Hektik einige Fotos. Das glaubt mir sonst kein Mensch!

Vermutlich gibt es für verdammenswerte Kreaturen wie mich eine spezielle Hölle, wo ich für die nächsten tausend Jahre rotglühende Mäusekrallen feilen muß. Vorsichtig und schuldbewusst schließe ich den Deckel wieder.

Zur Besänftigung aller wutschnaubenden Mäusegötter platziere ich am Abend reumütig meine Opfergaben vor dem Einflugloch:

Eine Mandel, eine Nudel und ein kleines Stück Käse. Bio-Käse versteht sich!

Mögen mir allen Hummelköniginnen in diesem Frühjahr verzeihen, aber den Zorn einer wütenden Mäusemama werde ich nicht noch mal riskieren.

Vielleicht kaufe ich ja doch noch einen zweiten Hummelnistkasten …!





Copyright ©
Werner David
Erding, 2004
Website mit Naturgartenabteilung: www.bauches-lust.de (Guckst du – lachst du!)
Oohl reits risöörfd

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