Startseite
NEU: BUCHVERÖFFENTLICHUNG!
Taizé
Naturgarten und Bio-Logisches
   Neu
   Eindrücke
   Der ultimative Urlaub
   Links
Kreative Bildbearbeitung
Bauchtanzwonnen
Allgemeiner satirischer Rundumschlag
Downloads

Frühjahrsfrust

fruehjahrsfrust.doc [16 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)


Mitte Februar an einem lausigen Wintervormittag.

Schmutzig-graue Wolken lauern mit zusammengekniffenen Beinen auf ein lohnendes Ziel um endlich lospinkeln zu können, ein eisiger Wind verhunzt auch die letzten gemütlichen Plätze im Freien. Bäume und Sträucher „kahlen“ armseelig vor sich hin, keinerlei saftiges Grün in Sicht. Es ist klamm, kalt und absolut krätzig draußen. Als der Herr den Winter schuf, muß er wirklich in einer saumäßigen Stimmung gewesen sein!

Die Thujahecke vom Nachbarn hat sich ein „lähdschades“ (auf Hochdeutsch: unknackiges) Make-up in kränkelnden Braun-Grün-Tönen zugelegt, das ihre natürliche Schönheit noch verstärkt. Von wegen Immergrün!

Die Wildhecke am Grundstücksende reckt mir vorwurfsvoll die nackten Zweige entgegen, als wollte sie sagen: „Unternimm gefälligst was! FKK hängt mir zum Hals raus.“

Ich kann doch nichts dafür! Ehrlich!

Wenn es nach mir ginge würde ich den Winter ersatzlos streichen. Zugegeben, er hat auch seine positiven Seiten. Zum Beispiel geht er wieder vorbei. Und wann kriegt man schon gratis eine so herrliche Depression? Für Gletscherflöhe und Pinguine ist es sicher eine Fetzengaudi. Aber die schmachtende Gärtnerseele dörrt, wie eine Qualle auf dem Backblech.

Jeden Quadratzentimeter Garten habe ich geistig mehrfach durchpflügt, meine Naturgartenbücher kenne ich langsam auswendig und tausend grüne Ideen spuken ungeduldig durch meinen Kopf. Die Blumentöpfe harren auf Füllung, die Samentüten auf Leerung und ich will endlich raus.

Himmel, das nervt!

Voller Verzweiflung kratze ich in unserer einzigen Topfpflanze, einem Christusdorn. Jeden Sommer darf er zurück zu seinen einheimischen Wolfsmilchverwandten im Garten.

Es wird höchste Zeit, wieder frische Erde zwischen den Fingern zu spüren.

Naturgärtner stehen unter dem Schutz des mächtigen, schwarzen Halbmondes. Er besteht aus Sand oder Magererde und befindet sich unter den Fingernägeln der Lieblingsbuddelhand. Regelmäßig erneuert schützt er den Garten vor Thujahecken, Golfrasen und überzüchtetem deutschen Ordnungsdenken.

Die typische Naturgärtnerhand erkennt man außerdem an den Schwielen, die beim Ausschachten von Feuchtbiotopen, Aufschichten von Steinmauern und Verlegen von Naturpflastern entstehen. (Rasenmähschwielen führen dagegen zum sofortigen Ausschluß aus dem Verein.)

Weitere Bestimmungsmerkmale sind einige tiefe Kratzer (Wildrosen haben einen stacheligen Charakter), 1-2 Brandblasen (das Verschweißen von Teichfolien will gelernt sein) und ein blutunterlaufener Daumennagel (am Besten nur fertig behauene Sandsteine verwenden).

Diese Wunderwerke der Biologie liegen nun untätig im Schoß und drehen die geprellten Däumchen.

Fad, fad, fad!

Ich flüchte mich in den kahlen Garten.

Es nieselt! War ja zu erwarten.

Schon seit einigen Tagen schleiche ich ausgehungert um den Kasten mit den Frühjahrsblühern, wie Dracula um die Blutbank. Ungeachtet meiner grimmigen Blicke rührt sich absolut nichts. Keine Spur von Buschwindröschen, Leberblümchen und Lungenkraut. Nicht das kleinste Fitzelchen von Küchenschelle, Frühlingsplatterbse oder Frühlingsgedenkemein. Das einzig Grüne ist ein überwinternder Kaugummi hinten links.

Wo zum Teufel stecken sie denn alle? Der bittersüße Nachtschatten ringelt sich um das Klettergerüst wie eine magersüchtige Anakonda und verweigert ebenfalls jede Knospe.

Lediglich eine dicke Schicht Laub rottet lustlos vor sich hin. Verständlich, schließlich gibt es originellere Beschäftigungen.

Glücklicherweise hat ein Naturgärtner im Laufe seines Wirkens tiefe Einblicke in die Lebens-Zyklen der Pflanzen gewonnen. Dieses fundierte Wissen ermöglicht es ihm, mit heiterer Zuversicht abzuwarten, bis die Natur ihren Lauf nimmt.

Ein Stunde später wächst immer noch nichts!

Langsam werde ich unruhig!

Vielleicht ist ja irgend etwas passiert! Möglicherweise hat sich die frostresistente, sibirische Schlemmerschnecke (Lagnesia horribilis) über meine Schützlinge hergemacht. Oder der Gefrierbrand wütet. Eine Wühlmaus könnte die winterliche Diät aufgebessert haben, um anschließend geschickt die Spuren zu verwischen. Mistvieh elendes! Unter der Laubschicht könnte akuter Sauerstoffmangel herrschen, der eine unverzügliche Mund-zu-Blatt-Beatmung erforderlich macht.

Mir wird ganz anders!

Hier hilft nur rasches Handeln! Nach einem sichernden Blick in die Runde - wer riskiert schon gerne dumme Bemerkungen vom Nachbarn - schäle ich vorsichtig die schützende Laubschicht ab.



Uff! Mir fällt ein Stein von Herzen.

An mehreren Stellen dringen winzige, schaschlikspießartige Sprößlinge energisch nach oben. Nur doppelt so dick wie der Bizeps einer Ameise, aber immerhin! Ein Anfang ist gemacht. Das Frühlingsfingerkraut hat ein ganzes Netz von filigranen Blättchen gesponnen, die an dünnen Ausläufern über den Boden „wuseln“. Pralle, silbrig behaarte Knospen zeigen, wo die Küchenschelle in den Startlöchern steht. Die Frühlingsplatterbse schickt ein ganzes Büschel hakenförmig gekrümmter, rötlich überlaufener Ärmchen an die Oberfläche. Ein richtiger Kraken-Kindergarten.

Alles in bester Ordnung, ich hab´s ja gleich gewußt! Die Botanik bläst endlich zum Angriff!

Hallelujah!

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRFD

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

Guckst du einfach mal rein!

Gewöhnlicher Hauptseitenhüpfer
Gewöhnlicher Hauptseitenhüpfer

Zur Rückkehr anklicken

Sitemap Haftungsausschluß Impressum Nach oben