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Das Blumenwiesentrauma

Vom Rasen zur Blumenwiese: Ein Kinderspiel!

(und Schweine haben Flügel …)



Mein Blick schweift wehmütig über die quietschgrüne Rasenfläche. Sie ist geradezu die Verkörperung des Traums vom deutschen Normrasen, gemästet mit den Freuden der Chemie, gewalzt, vertikuliert, gewässert und geschoren, ein samtig grüner, lebender Teppich.

Mit einem Wort: Die absolute ökologische Katastrophe und auf Dauer ein untragbarer Zustand. Ich sehne mich nach den zarten Blüten einheimischer Wildblumen, nach dem Zirpen der Zikaden, dem Summen von Wildbienen und nach tautropfengeschmückten Spinnennetzen die filigran in der Morgensonne aufleuchten.

Logisch Konsequenz: Rasen raus – Blumenwiese rein!

Glücklicherweise gibt es ja inzwischen viele engagierte Naturgärtnereien und Blumenwiesen-Samenmischungen gehören zum Standardangebot. Kommt zu Papa! Zwei Wochen später bin ich stolzer Besitzer von „Reginella“ einer Blumenwiese für „mäßig nahrhafte Böden“.

Na ja …!

Das dürfen wir wohl nicht so ganz eng sehen, der Boden steckt nun mal voller Nährstoffe wie ein Igel voller Flöhe. Eigentlich ist die Mischung auch für eine Neu-Ansaat vorgesehen, aber ich kann den blöden Rasen ja schließlich nicht einfach wegbeamen! Also kräftig vertikulieren, bis die Fetzen fliegen und die Samen könne ihr freudespendendes Wirken beginnen. Feierlich verstreue ich die mit Sand vermischten Startschüsse künftiger Blumenfreuden. Macht euch schon mal auf die Socken ihr Wildbienen, in Kürze warten hier Pollenbrot und Nektar-Shake auf euch.

Der Erfolg der Aktion ist spektakulär: Nach vier Wochen schwelge ich im Anblick des Blütenzaubers: 3 x Klatschmohn, 2 x Margarite!

Gegen den mörderischen, undurchdringlichen Filz der Graswurzeln ist im wahrsten Sinn des Wortes kein Kraut gewachsen, die schüchternen Wildblumenkeimlinge verenden wie im Würgegriff einer Anakonda.

Ha, nicht mit mir, das bedeutet Krieg!! Vier Wochen später setzte ich erbarmungslos zur Gegenoffensive an, als Munition dienen 50 ausgewachsene, in Töpfen kultivierte Wildblumen. Mit dem Spaten bewaffnet infiltriere ich die grüne Einöde mit 50 Bollwerken jungfräulicher Natur.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten!

Tja, … das ist leider nur allzu richtig.

Schon im zweiten Jahr ist die Hälfte meiner Schützlinge wiederum dem grünen Würgegriff zum Opfer gefallen. Die Pflanzen produzieren zwar in wilder Verzweiflung Samen, aber die bleiben ausnahmslos im hämisch kichernden Rasenfilz hängen und erreichen nie Mutter Erde. Auch die Mama- und Papa-Pflanzen verschwinden nach und nach sang- und klanglos als hätte es sie nie gegeben, die grüne Wüste schluckt alle Eindringlinge.

So nicht! Verzweifelte Notlagen erfordern radikale Gegenmaßnahmen, in einer bandscheibenfeindlichen Gewaltaktion skalpiere ich 5 Quadratmeter Rasen komplett.

„Reginella“ darf ein zweites Mal in die Startlöcher.

Nach zwei Wochen keimt es wie verrückt. Ampfer, Löwenzahn, Klee, Gänsefuß, Melde und viele andere Arten. Etwas verunsichert studiere ich die Artenliste auf der Samenpackung. Von Rechts wegen dürfte es diese Pflanzen hier eigentlich gar nicht geben! Die Naturgärtnerei ist unschuldig. In der Tiefe der Erde schlummern viele, viele Samen, die nur auf die Gelegenheit lauern endlich ans Sonnenlicht zu gelangen. Die Wildpflanzensamen keimen zwar auch, aber in dem fetten, nährstoffreichen Boden haben sie im Zweikampf ähnliche Chancen wie ein Dreijähriger gegen eine Rockerhorde. Bevor sie überhaupt protestieren können, sind sie bereits überwuchert. Das Endergebnis deckt sich mit meiner Vorstellung von einer Blumenwiese nicht so ganz hundertprozentig.

Na gut, was empfiehlt denn die entsprechende Fachliteratur?

„Die Kultivierung von stickstoffzehrenden Pflanzen wie Mais oder Weizen über mehrere Jahre reduziert den Nährstoffgehalt des Bodens deutlich“.

Fantastische Idee! Großartig! Ich darf zehn Jahre lang von meinem Balkon aus ein Maisfeld bestaunen und meine Nachbarn lassen mich vermutlich in der Zwangsjacke abführen. Und danach habe ich genug Popcorn für die nächsten hundert Jahre. Echt genial!

Vielleicht doch lieber einen anderer Autor:

„Der nährstoffreiche Oberboden wird mit einer Planierraupe abgeschoben“.

Wohin bitte? Und wie soll eine monströse Planierraupe in meinen zierlichen Garten kommen?? Außerdem hat´s da auch noch diverse Bäume, an denen ich durchaus hänge. Und wenn ich stattdessen mit Spaten und Schubkarren anfange, kann ich meine Blumenwiese frühestens in der Rente bewundern. Gibt´s hier vielleicht auch noch irgendwo sinnvolle Tipps?

„Decken Sie die Fläche für einige Monate mit schwarzer Folie ab, bis die unerwünschten Arten absterben. Danach arbeiten Sie 5-10 cm Sand in die obersten 20 cm Boden ein“.

Sind denn hier alle bescheuert?! Erst mache ich die Nachbarschaft als genialer Verpackungskünstler Christo II rebellisch und dann soll ich schuften wie ein Galeerensklave! Die feindlichen Samen lauern trotzdem auf ihre Chance für den botanischen Erstschlag und ob die Nährstoffe mit diesem muskelkaterträchtigen Verfahren drastisch reduziert werden wage ich zu bezweifeln.

Ich will jetzt sofort eine Blumenwiese! Ich will, ich WILL, ICH WILL!!!

Und wenn ich keine bekomme halte ich die Luft an bis irgendetwas ganz Schreckliches passiert ….!

Und auf meinem Grabstein wird die ergreifende Inschrift prangen:

„Hier ruht – in Demut senkt die Nasen -
Ein Mensch, gekillt vom deutschen Rasen“.





Copyright ©
Werner David
85435 Erding, 2004
E-Mail: wernerimweb@web.de
Website: www.bauches-lust.de (Guckst du – lachst du!)

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