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Was zur Hölle macht dieser Spinner im Bauchtanz?

Das folgende Interview zwischen der Tänzerin Ayascha http://www.ayascha.de und Werner entstand im Winter 2002 und wurde im Sommer 2003 in "Halima" veröffentlicht:



Wie und wann wurdest du auf den Orientalischen Tanz aufmerksam?

Meine Frau hat 1994 als absoluter Frischling in einer Münchner Schimmie-Schmiede mit dem Orientalischen Tanz begonnen und mir nach ca. 15 Stunden Zuhause vorgetanzt. Ich war absolut hin und weg!

Und war die Begegnung mit dem Tanz Liebe auf den ersten Blick? Wolltest du den Tanz sofort lernen.

Mein erster Gedanke war: „Das ist es! Haben woll!! Meins!!!“. Der unmittelbar folgende Gedanke lautete dann allerdings: „Sag mal, hast du sie noch alle? Warum nicht gleich einen Schwangerschaftsvorbereitungskurs? Komm wieder auf den Teppich und beruhig dich, das ist nun mal nichts für Männer!“ Glücklicherweise ist es mit meiner Vernunft nicht allzu weit her und auch Logik war nie meine Stärke.

Warst du tänzerisch schon vorbelastet? Was machst du beruflich, hat es mit Tanz oder Orient zu tun.

Früher habe ich begeistert mit den klassischen Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen gerungen und mich auch wacker bis zum Silberkurs durchgeschlagen, das war dann allerdings auch das Ende der Fahnenstange. Wenn man sich nur noch ständig in den Haaren liegt, wer was wann und warum falsch gemacht hat, erfährt die Freude am Tanz doch eine gewisse Trübung. Professioneller Turniertanz ist deshalb für mich ein hochkarätiger, bewundernswerter Leistungssport, aber mit der tiefen Freude an der Bewegung und am eigenen Körper hat er rein gar nichts mehr zu tun.
Beruflich habe ich ein kurzes Gastspiel als Dompteur der bayerischen Jugend in den Fächern Chemie und Biologie für Gymnasien hinter mir, tänzerisch gesehen war das eine Einlage als sterbender Schwan. Gegen Ende der Referendarzeit habe ich daher aus ganzem Herzen das Handtuch geworfen, eine Entscheidung über die ich - zumindest nachträglich - unendlich froh bin. Momentan arbeite ich als Arzthelfer in einer neurologisch-psychiatrischen Praxis in Erding. Irgendwie scheine ich immer in typisch weiblichen Domänen zu landen, vielleicht habe ich von der Vorsehung versehentlich ein paar weibliche Gene zuviel abbekommen. Kann ich aber nur empfehlen!

Wer war dein erste Lehrerin?

Daniela Maas im Zentrum für Orientalischen Tanz in München. Beim Tanz strahlt sie eine bewundernswerte Ruhe, Weiblichkeit und eine ganz tiefe Freude aus. Ihr Humor und ihre herzliche, aufgeschlossene Art haben mir vor allem am Anfang viel geholfen und mir den Einstieg sehr erleichtert.

Hattest du Hemmungen bei den ersten Unterrichtsstunden?

Nein, Hemmungen hatte ich keine, es war vielmehr die blanke Todesangst! Eine Frau die versehentlich eine Männersauna betritt, fühlt sich vermutlich nur halb so schlecht. Als völliger Exot in diese absolut urweibliche Domäne einzudringen! Schweißausbrüche, Herzrasen, weiche Knie, noch nie habe ich mich derart grauenvoll gefühlt, wie in meiner ersten Unterrichtsstunde. Das gemeinschaftliche Umkleiden machte es nicht unbedingt einfacher! Die ersten Male bin ich mir vorgekommen wie ein volltrunkener Elefant im Minenfeld, ich wußte gar nicht wo ich zuerst wegschauen sollte. Wenigstens gab es damals noch keine String-Tangas! Inzwischen glaube ich aber, daß Frauen ein hochsensitives Spanner-Radar besitzen, wenn ich auf diese Schiene aus wäre, hätte man mich vermutlich längst mit einem BH erdrosselt. Und ich lebe noch immer ...! Ein mulmiges Gefühl habe ich allerdings nach wie vor bei jedem neuen Workshop, aber spätestens nach den ersten zwei Tänzen ist es dann schnurzegal ob ich ein Mann bin oder nicht, mir geht es um die Freude am Tanz, und das scheint bei den Frauen auch rüberzukommen.

Erzähl mir was über deinen weiteren tänzerischen Werdegang.

Dem Zentrum für Orientalischen Tanz in München habe ich lange Jahre die Treue gehalten. 1997 habe ich bei einem Bauchtanzurlaub bei Hoda Ibrahim in Hurghada Gamila aus der Tanzschule Ya Salam in Ingolstadt kennengelernt http://www.yasalam.de , ein sympathischer, quirliger, humorvoller, langbemähnter kleiner Power-Floh. Ihre Schule ist inzwischen so etwas wie meine Bauchtanzheimat geworden. Gamilas Anblick am Morgen nach den relativ kurzen, feucht-fröhlichen Workshop-Nächten ist immer wieder ein Quell der Freude und würde auch einen chronisch Depressiven aufheitern. (Sie bringt mich um, wenn sie das liest ...!) Gnade Gott dem, der ihren Bauchtanzküken etwas antun will, Gamila und ihre Schülerinnen sind ein eingeschworener Haufen, bei dem ich mich immer wieder herzlich aufgenommen fühle, nächstes Mal Anfang Dezember bei einem dreitägigen Workshop über das ägyptische Zar-Ritual von Gamal Seif. Ab und zu schnuppere ich auch gerne über den tänzerischen Gartenzaun um eine Nase voll Hula, afrikanischen oder meditativen Tanz zu nehmen. Zur Zeit tanze ich, außer auf Workshops, regelmäßig in der VHS in Erding, sinnigerweise im Keller des Altenheims bei Ursula Kreusel. (Sie lebt übrigens nicht dort!) Na ja, man(n) wird schließlich nicht jünger ...! Ein einjähriger Arabischkurs im Usrati-Institut in München bei Dr. Nabil Osman hat unsere Ägyptenurlaube bereichert und den Einheimischen zahllose frohe, lachtränenreiche Stunden beschwert.

Hast du im Familien- und Freundeskreis geheim gehalten, daß du Orientalischen Tanz lernst? Oder hast du dich offen dazu bekannt?

Nach der kurzen anfänglichen Unsicherheit war ich Feuer und Flamme, mit der Geheimhaltung war es daher nicht allzu weit her, allerdings konnte mein persönliches Umfeld die Begeisterung oft nur begrenzt nachvollziehen und reagierte mit einer - durchaus verständlichen - Verwirrung.

Hat es dir schon irgendwelche Schwierigkeiten bereitet, daß du einen „weiblichen“ Tanz ausübst?

Anfangs war mein männliches Ego schon etwas verunsichert. Macht ein klischeegerechter, deutscher Mann so etwas? Mache ich mich mit meiner Begeisterung für das Fließende, Weiche, Weibliche total lächerlich? Manifestiert sich hier etwa - oh schrecklichster der Schrecken - eine latente Homosexualität? Inzwischen bin ich wieder mit mir im Reinen. Beim Tanz fühle ich mich nicht als Frau, sondern ausschließlich als Mann, und beim Tanz mit einer Frau sogar ganz besonders. Das knistert doch so nett! Vielleicht lebe ich auf diese Weise die weibliche Seite meiner Psyche aus, ich habe nicht den geringsten Schimmer und ehrlich gesagt ist es mir auch schnurzegal. Ich tanze leidenschaftlich gerne „weiblichen“ Bauch und zum Kuckuck mit allen tiefschürfenden, psychologischen Erklärungsversuchen.

Was fasziniert dich am Orientalischen Tanz?

Gegenfrage: Was nicht! Ich mag die Musik und bin fasziniert von der orientalischen Kultur, deswegen auch der kurze Exkurs in die arabische Sprache. Bei unseren Urlauben in Ägypten, hat es wahnsinnig Spaß gemacht die Bekanntschaft mit Musikern und Tänzern zu machen und den Bauchtanz vor Ort live zu erleben und mitzumachen. Ich liebe den Gegensatz zwischen den harten, abgezirkelten Akzenten und den fließend-schmelzenden Taximteilen. Ich erlebe den eigenen Körper um ein vielfaches intensiver als bei allen anderen Formen des Tanzes die ich kenne, beim Tanz bin ich ausschließlich im Hier und Jetzt, sämtliche Probleme, Schwierigkeiten und Sorgen sind in diesem Moment völlig unwichtig. Europäischer Turniertanz ist völlig verkopft, der orientalisch Tanz kommt im wahrsten Sinn des Wortes aus dem Bauch, aus einer ganz tiefen, urtümlichen, elementaren Ebene. Haut einfach voll rein! Und macht absolut saumäßig Spaß, selbst wenn viele Figuren nach wie vor überhaupt nicht klappen (Schimmie im Gehen, Hagalla, ohrenfreundliches Zimbeln, etc., etc., etc. . . .!) Aber was soll’s, der Rest klappt und das reicht völlig aus! Es gibt keine klassische Norm, weder was das Aussehen und die Figur, noch was den Tanz selbst angeht, jeder kann seinen ureigenen Stil entwickeln. Es gibt keinen Wettbewerb, kein sich messen mit den anderen. Die jüngste Entwicklung, Wettbewerbe im Orientalischen Tanz zu veranstalten, finde ich persönlich sehr, sehr schade. Meiner Meinung nach steht dabei in erster Linie europäisches Leistungsdenken im Vordergrund, nicht mehr die Freude am Tanz. Sobald ich einen „Ersten“, einen Champion habe, sind alle anderen per Definition schlechter und das ist unsinnig, außerdem besteht die Gefahr, daß das ganze in einen reinen Technik-Marathon ausartet (... und hier sehen sie nun einen spektakulären, dreifach gesprungenen Ohrläppchenschimmie rückwärts ...) Gerade die Verschiedenartigkeit der Tänzerinnen macht den Orientalischen Tanz doch so reizvoll. Ich kann nicht Reibadatschi, Marmorkuchen und Schwarzwälder Kirschtorte miteinander vergleichen und dann einen Sieger krönen. Das ist ausschließlich Geschmackssache (die kohlschwarz verbrannten Aktivkohle-Erstlingswerke unmittelbar nach der Hochzeit mal ausgenommen). Viele Frauen blühen im Orientalischen Tanz nach einiger Zeit total auf, sie werden selbstsicherer, koketter, nehmen plötzlich viel mehr Raum ein und man spürt wie gut ihnen der Tanz tut. Es ist total schön, dieses schüchterne Schlüpfen eines Schmetterlings zu beobachten.

Hattest du schon negative Erlebnisse, z.B. daß dich jemand kopfschüttelnd angeguckt hat ob des Tanzes?

Eine Workshopleiterin hat mich einmal mit den herzerfrischendenWorten begrüßt: „Bist du schwul!“, aber ich mußte sie enttäuschen. Eine junge Tänzerin in Ägypten, die mich in einem Lokal auf die Bühne geschleift hatte - nach 0,5 Sekunden verzweifelter Gegenwehr - hat mich mit einem zunehmend verunsicherten „Wieso-zum-Teufel-kann-der-das?“-Gesichtsausdruck gemustert und mir dann nach kurzer Zeit völlig verstört abrupt den Rücken zugekehrt, das war aber auch wirklich die einzige negative Erfahrung dieser Art. Speziell in Ägypten sind die Einheimischen hin und weg, wenn sich ein Europäer für ihre Musik und den Tanz begeistert. Bei Workshops herrscht oft zunächst eine gewisse Reserviertheit, nach dem Motto: „Was ist das denn für einer?“, aber bis jetzt hat sich das immer schnell gelegt. Nach der anfänglichen Überraschung kommt häufig sogar ausgesprochen positive Rückmeldung von den Frauen, das geht jedesmal runter wie Öl und tut mir sehr gut.

Sommerfreuden:
Sommerfreuden:

Zeitpunkt der maximalen tänzerischen Schwung- masse und Übergang von" XXL" nach "Sumo". Mein Bauchtanzgürtel ist seither als reines Deko-Objekt an die Wand genagelt. Selber schuld, wenn er so eingeht!

Trittst du auf?

Nicht wenn es sich irgendwie vermeiden läßt. Ich scheue Choreographien wie der Teufel das Weihwasser und beherrsche daher ähnlich viele, wie Graf Dracula Salatrezepte. Es streßt mich tierisch, soviel Zeit zu investieren, nur um dann auf ein einziges Stück tanzen zu können. Außerdem vergesse ich die Teile schneller als ich sie lerne. Ich tanze eigentlich ausschließlich frei, rein aus Spaß an der Freude, und das macht bei einem Auftritt natürlich lange nicht so viel her, wie eine ausgefeilte Choreographie.

Hast du einen Künstlernamen?

Bis jetzt noch nicht. „Häuptling leuchtender Breitscheitel“ konnte mir bisher kein Ägypter ins Arabische übersetzen.

Wer hat dich beeinflußt und zu dem gemacht was du heute bist?

Schwerpunktmäßig das Zentrum für Orientalischen Tanz in München mit Daniela, Ilona, Marion, Monika und Ludmilla sowie diverse Workshops: Gamal Seif, Asmahan , Zahra bint Amar, Gamila, Hoda Ibrahim und andere. Also eine echte stilistische Promenandenmischung.

Was hat dich bewogen ein satirisches Buch über den Orientalischen Tanz zu schreiben?

Eine Ader für kreativen Blödsinn hatte ich schon von frühester Jugend an. "Bauches Lust - Bauches Frust" war die Erfüllung eines Wunschtraums, mit der ich eigentlich nie ernsthaft gerechnet habe - ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Der Verkauf von bisher 2.000 Exemplaren hat meine kühnsten Träume weit, weit überschritten, und ich freue mich wahnsinnig über das positive Echo.

Gibt es irgendwas, daß du in der Tanzwelt erreichen möchtest? Einen besonderen Auftrittsort? Die Zusammenarbeit mit einem bestimmten Menschen?

Irgendwann, in vielen, vielen Jahren - Inshallah - möchte ich die Geheimnisse des Hagallas und des Schimmies in der Fortbewegung entschlüsseln. Ob ich so alt werde, weiß ich allerdings nicht. Reizvoll wäre es auch, die legendären Bauchtanzdinosaurier (Fifi Abdo, Suheir Saki etc.) einmal live in Ägypten zu erleben.

Wie siehst oder hättest du gerne deinen weiteren Weg in der Tanzszene?

Ich werde ganz gemütlich so weiterwurschteln wie bisher. Einmal die Woche Unterricht, ab und zu mal ein Essen in einem Restaurant mit Orientalischem Tanz, ein leckerer Workshop oder eine Messe und die Verarbeitung des Ganzen mit satirischer Feder. Außerdem liebäugle ich im Moment sehr stark mit ESTODA (Essential technique of Oriental Dance) von Yasmin al Ghazali http://said-el-amir.de

Hast du einen Rat, einen Spruch oder einen Gedanken, den du deinen weiblichen Mittänzerinnen ans Herz legen möchtest.

Meßt euch nicht ständig mit anderen und versucht nicht perfekt zu werden, überzogenes Leistungsdenken kann den Spaß am Tanz gründlich versauen. Freut euch über das was ihr könnt und geht locker mit den stilistischen Kummerkindern um, die ihr (noch) nicht beherrscht. Genießt den Tanz und laßt euch fallen, dann wird der Funke zum Publikum auch dann übersprungen, wenn ihr den Hagalla-Salto rückwärts mit drei Schleiern nicht 100%ig perfekt beherrscht. Und bewahrt euch die Toleranz gegenüber bauchtanzenden Männern! Es sind rare, sensible Pflänzchen, die eurer positiven Rückmeldung dringend bedürfen.

Gibt es einen Spruch, der für dich gut paßt oder den du dir sogar als Leitspruch erwählt hast?

Es ist ein ungeheures Glück, wenn man fähig ist sich freuen zu können, denn jeder Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag. (Estragon der Wohriechende, 4711 vor Christus).

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