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Allgemeiner satirischer Rundumschlag
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HOL S STÖCKCHEN!

holsstoeckchen.doc [38 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)

„Oh shit!“

Erfahrungsgemäß folgt einer solch markigen Bemerkung der Ärger auf dem Fuße, deshalb tauche ich blitzartig ab.

Keine Sekunde zu früh.

Das UFO (Unkontrollierbares folkloristisches Objekt) durchkreiselt den Luftraum knapp über meinem gelichteten Scheitel, klappert diagonal über den Studioboden und knallt abschließen gegen die Wand. Eine verlegen Entschuldigungen murmelnde Bauchtanzjüngerin klaubt den Stein oder vielmehr den Stock des Anstoßes dort wieder auf, nicht ohne ihn grimmig anzufunkeln.

Was steckt hinter dieser kollektiven „Verstocktheit“?

Schwertkampf für Einsteiger? Nahkampfschulung für den Winterschlußverkauf?

Voll daneben!

Wir sind Zeugen erster Weihen in der hohen Kunst des ägyptischen Stocktanzes.

Stocktanz war ursprünglich den Männern vorbehalten und diente vor allem ihrer folkloristischen Selbstdarstellung. Um den verwendeten, massiven Stock scheinbar mühelos handhaben zu können, braucht man die Handgelenke Rübezahls. Der Tanz wird traditionsgemäß in den bodenlangen weiten Hemden, den Galabijas ausgeübt. Nicht genug, daß man sich mit dem tückischen Eigenleben des Stockes herumplagen muß, läuft man also auch noch ständig Gefahr sich in den eigenen Ärmel zu verheddern, oder durch Treten auf die eigene Schleppe publikumswirksam in die Bodenlage zu gelangen.

Der Stocktanz der Frauen ist nicht so athletisch und kraftvoll, dafür verspielter und neckischer. Der meist schmucklose Killerprügel der Männer wird durch ein filigranes Stöckchen ersetzt, das häufig an einem Ende hakenförmig gebogen ist (Diese Form dient der Schadensbegrenzung beim versehentlichen Abschuß von Mittänzerinnen) - die Designervariante von Tante Eusebias Krückstock.

Stocksimpel ist die Technik des Stocktanzes in keinster Weise, ganz im Gegenteil!

Wesentlicher Grundbestandteil ist das „Durchdrehen“, sowohl als die grundlegende Bewegungsform des Stockes, als auch als Reaktion der Tänzerin, wenn er es nicht tut! Im Idealfall beschreibt der Stock durch eine - absolut unbeschreibliche - Drehung des Handgelenks einen senkrechten Kreis, eine Art 360° Rundumscheibenwischer. Beim Anfänger ist es dagegen in der Regel eine ausgebeulte Ellipse, die mehr oder weniger unkontrolliert durch den Raum eiert und in regelmäßigen Abständen in die freie Flugbahn übergeht. Das ist deswegen fatal, weil der Spiegel in unserem Übungsraum nur aus einer Art größenwahnsinniger Alufolie besteht, der schon den ganzen Abend ängstlich-wimmernde Laute ausstößt. Die Schadensbilanz hält sich bisher noch in erträglichen Grenzen: Zwei Streifschüsse und eine Delle.

Blaue Flecken der Tänzerinnen nicht mitgerechnet!

Auf der letzten Orienta wurde daher erstmals ein völlig neu entwickelter Stick-Protection-Airbag vorgestellt. Er ist unauffällig in den BH-Körbchen integriert - dadurch gewinnt die Tänzerin als Nebeneffekt eine ganze Körbchengröße - und verfügt über einen hochsensiblen optischen Sensor. Jedes Objekt, das sich der Tänzerin frontal mit einer bestimmten Mindestgeschwindigkeit nähert, aktiviert blitzartig den Auslösemechanismus. Sie sollten ihn daher nicht beim Schleiertanz einsetzen!

Ich setze zu einem neuen Wirbelversuch an. Stöcke besitzen die beeindruckende Fähigkeit der Teleportation, d.h. die Bewegung von Materie durch die schiere Kraft des Geistes. Während sie bei jeder Drehung an der kurzen Seite schrumpfen, wachsen sie am langen Ende.

Verblüffend!

In letzter Sekunde grabbsche ich den Flüchtling und verhindere ein erneutes Alufolien-Trauma. Hiergeblieben mein Freund! Ich mach das hier auch nicht zum Spaß, also reiß dich gefälligst am Riemen! Wahrscheinlich träumt er noch immer wehmütig vom letzten Sommer, als er eine begriffsstutzige Tomatenpflanze in unserem Garten stütze, die jeden Fruchtansatz beharrlich verweigerte. Mangels einer besseren Alternative wurde er schließlich zum folkloristischen Requisit befördert. Ein bißchen Dankbarkeit könnte er ja jetzt ruhig zeigen!

Sturer Bambus!

Ein erneuter Wirbel, diesmal rechts. Unglücklicherweise bin ich ein Linkshänder reinsten Wassers, manchmal habe ich den leisen Verdacht mein Großhirn weiß noch gar nichts vom Vorhandensein eines zweiten Armes. Ich komme mir vor, als müßte ich in dicken Fausthandschuhen eine Schlacht am chinesischen Büfett schlagen. Mit Eßstäbchen!

Ich kreiere unfreiwillig einige neue Stockfiguren, die volltrunkene Chaos-Spirale, den Brillen-Terminator und den geschraubten Klapper-Abgang.

„Mist!“

Unser Spiegel hat nun endgültig seinen ersten Durchschuß weg, Panzerglas wäre wirklich sinnvoller.

Auch die Tänzerinnen zeigen langsam erste Verschleißerscheinungen, die malträtierte Haut zwischen Daumen und Zeigefinger rötet sich zunehmend und die Geburt erster Wasserblasen kündigt sich an.

Wahre Schönheit muß leiden!

Von wegen schön! Mein Spiegelbild wirkt wie ein degenschwingender Filmheld, der mit schwerem Gelenkrheumatismus im Alter von 80 ein letztes Comeback im Fechten versucht.

Durchaus noch steigerungsfähig! Es gibt viel zu tun.

Als nächste Figur steht eine „Acht“ auf dem Programm. Stellen Sie sich vor, Sie tauchen eine aufrecht in der Faust gehaltene Banane mit der Spitze in Schokosauce und führen Sie wieder zurück in die Senkrechte. Nicht abbeißen! Das ganze nun mehrfach hintereinander wiederholen, in einer Bewegung, als würden Sie eine querstehende Acht nachfahren.

Ganz schön pervers, oder?

Bauchtanzlehrerinnen entwickeln oft ausgesprochen seltsame Phantasien und bedürfen immer wieder der liebevollen und beruhigenden Zuwendung durch ihre Schülerinnen (und Schüler), die sie auf den Boden der Realität zurückbringen.

Die Spiegel atmen für kurze Zeit erleichtert auf, als sich unsere Nahkampfaktivitäten auf diese mehr seitlich gerichtete Bewegung verlagern. Auch schüchterne Tänzerinnen können mit dieser Methode rasch hautnahe Kontakte knüpfen. Ich reibe mir bewundernd den linken Ellenbogen und eine meiner Rippen rechts, bevor ich beschließe, mich diskret weiter in den Hintergrund zurückzuziehen.

„Schlagfertigkeit“ hat doch auch ihre negativen Seiten.

Anscheinend neige ich zum Pazifismus, denn Fechten scheint offensichtlich nicht zu meinen angeborenen Fähigkeiten zu gehören. Nach einigen verkorksten Achtern streiche ich den Grundschritt ersatzlos. Synchrone Bein- und Stockkoordination beansprucht momentan eindeutig zu viel Speicherplatz auf meiner Festplatte und führt lediglich zu Systemabstürzen. Beschränken wir uns also auf den dußligen Stock! Außerdem ist es wissenschaftlich erwiesen daß sich Männer in der Regel nur auf eine Sache gleichzeitig konzentrieren können. Kann ich voll und ganz bestätigen!
Als krönenden Abschluß versuche ich mich ein letztes Mal in einem professionellen, linkshändigen Wirbel.

Aber hallo! Klappt ja direkt!

Vielleicht noch einen frechen Grundschritt zusätzlich, Größenwahn läßt grüßen?

Wow, na wer sagt’s denn, das klappt doch wie ...UPPS!!

Der Stock schlägt einen vollendeten Salto - absichtlich hätte ich ihn nicht annähernd so perfekt hinbekommen - durchstößt den Möchtegernspiegel im spitzen Winkel und verschwindet in voller Länge dahinter, wie eine fahnenflüchtige Spaghetti im Abfluß.

Langsam klappe ich den Mund wieder zu. Oh Mann, das glaubt mir wieder kein Schwein!

Fazit:

Auch wenn es nicht nötig scheint - tanze Stock stets angeleint!

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRFD

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

Guckst du einfach mal rein!


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