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Allgemeiner satirischer Rundumschlag
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VERSCHLEIERUNGSTAKTIK

verschleierungstaktik.doc [35 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)

Fassungslos mustere ich das luftige Nichts in meiner Hand. Was um alles in der Welt mache ich hier eigentlich? Nach all den glorreichen Jahren unverschleierter Freiheit will ich mich jetzt tatsächlich freiwillig mit dem bockigen Flatterteil auseinandersetzen. Muß wohl die Midlife-crisis sein!

Spricht denn irgend etwas gegen die Vorgehensweise der Ägypter? Sie gebrauchen den Schleier beim Auftritt ähnlich wie ein Tempotaschentuch: Kurzer heftiger Einsatz, dann ab in die Ecke damit. Ungeschneuzt natürlich! Sowohl Tänzerin als auch Publikum sind mit dieser Lösung vollauf zufrieden, was wieder einmal schlagend die tiefe Weisheit des Orients beweist. Erst die Europäer machten aus der Verschleierungstaktik eine - durchaus ästhetische - Kunst, die in der Synchronbändigung mehrerer Schleier gipfelt. Aber bleiben wir erst mal auf dem Teppich, am Anfang fordert schon der Solo-Schleier sämtliche psychische und physische Ressourcen.

Schleier und Männer passen meiner Meinung nach zwar ähnlich gut zusammen wie Miesmuschel und Sanddüne, aber um mitreden zu können, will ich künftig wenigstens die grundlegenden Techniken beherrschen. Sogar Männer sind lernfähig! Also werde ich mich jetzt völlig vorurteilsfrei und mit offenem, liebevollen Herzen dem Schleierstudium widmen. Das nenne ich wahre Größe! Ich bin stolz auf mich!

Vorbeugend habe ich das vertrackte Teil gleich mal daheim im Wäscheschrank vergessen. Vermutlich führt er dort gerade seine üblichen heißen Diskussionen mit den Waschlappen, welche Zumutung es ist, mit solchem Pöbel zusammen zu liegen, obgleich er selbst ein Pailletttenträger ersten Grades ist. Arroganter Spinner! Unsere Dozentin durchkreuzt in gewohnt rücksichtsloser Manier meine Pläne und drückt mir knallhart ihren Reserveschleier aufs Auge. Skeptisch beäuge ich das schwarze Seidentuch. Vermutlich sehe ich damit aus wie Zorro der schwule Rächer. Na ja, man kann nicht alles haben!

Das Teil ist mindestens doppelt so lang wie ich - bei 165 cm Scheitel-Boden-Distanz keine große Kunst - und außer Levitation sehe ich vorerst keine Möglichkeit, mir nicht ständig auf die eigene Schleppe zu latschen. Das kann ja heiter werden! Um alle etwaigen Fluchtversuche gleich im Keim zu ersticken, packe ich den Rand energisch mit beiden Fäusten, als wollte ich mir den Rücken trocken rubbeln. Das verzärtelte Kuscheldeckchen ist von seinem kompetenten Frauchen wohl eine professionellere Handhabung gewöhnt und zischelt mir erbost ins Ohr: „Pfoten weg du aufdringlicher Lümmel!“ O.k. mein Freund, wenn du gleich von Anfang an Krieg haben willst ... kein Problem! Frauchen ist gerade in der anderen Ecke beschäftigt, also landet das Großmaul unter meinen Füßen und ich drehe eine elegante Pirouette auf ihm. Selber Schuld! Als ich ihn wieder aufhebe, huscht eine verängstigte Laufmasche über den Saum. Besser! Viel besser! Wir zwei werden uns noch prächtig verstehen.

Erst nach einer Weile fällt mir meine unkonventionelle Haltetechnik auf, als unsere Schleierfee noch einmal den korrekten Schleier-Power-Grip erklärt. Offensichtlich bin ich „griffstutzig“. Korrekterweise werden Zeige- und Mittelfinger wie chinesische Eßstäbchen gespreizt - sozusagen die klassische Begrüßungsgeste der Vulkanier aus Raumschiff Enterprise, nur um einen Finger Richtung Daumen versetzt - senkrecht über den Schleierrand in einer klassischen Schnipp-Schnapp-Scherengeste geführt und dann geschlossen. Fühlt sich mal wieder absolut natürlich und unverkrampft an! Das soll allen Ernstes halten? Mein Würgegriff war vielleicht rustikaler, aber deutlich sicherer. Ist ja gut, ist ja gut, ich versuch`s doch schon ganz wacker! Um die martialische Handhaltung von Nasi Goreng dem Karatekiller zu vermeiden, ist es nötig, Zeige- und Mittelfinger zusammenzupressen, den Rest der Hand aber einigermaßen zu entspannen. Das Wedel-Deckchen geht etliche Male zu Boden und wird angezählt, bevor ich den Bogen so leidlich raus habe. Der kleine Finger sollte aus Selbsterhaltungsgründen nicht abgespreizt werden, sonst verfängt er sich irgendwann in einer meuchlerischen Schleierfalte. Lassen Sie Ihren Schleier nie aus den Augen, er lauert nur auf die Gelegenheit hinterrücks zuzuschlagen!

Ein wunderschönes, langsames Stück ertönt. Ich lasse den gesponnenen Verdruß erleichtert fallen und tauche in eine hingebungsvolle Hüftschleife ein. Äh ... sorry! Alte Gewohnheiten sterben nur langsam, eigentlich war das Stück ja als erster Probelauf für Bewegungen mit dem Stoff gewordenen Tänzerinnenfrust gedacht. Ich komme mir vor wie ein pubertärer Flughund beim Jungfernflug und wedle etwas hilflos mit den Schwingen. Sämtliche Fledermäuse des Landkreises würden sich bei meinem Anblick kichernd am Boden wälzen, aber was soll’s! Ich mache erste verblüffende Erfahrungen. Dieses Saurier-Taschentuch vereinigt ganz offensichtlich eine Vielzahl von scheinbar widersprüchlichen Eigenschaften in sich. Statt die erwartete Schmetterlingsschwingennummer abzuziehen und meine Figur mit filigranen Spiralen und Wirbeln zu umrahmen, pendelt das Teil wie eine gedrehte nasse Kordel. Nur mäßig ästhetisch! Die linke Schwinge entfaltet sich wenigsten teilweise, die rechte leidet noch an massiver Schüchternheit. Zum Ausgleich schlingt sie sich immer wieder um meinen Arm wie eine verschreckte Anakonda. Ich habe jetzt wirklich keinen Nerv für Schleier-Psychotherapie und Entwicklungshilfe und funkle den Quertreiber grimmig an.

Umsonst!

Am Anfang fasse ich das textile Kummerkind mit relativ engem Abstand, dadurch spannt er am Rücken und ich fühle mich wie ein Dackel, dem sein Frauchen mitten in der Bewegung auf die Leine latscht, was den ungehemmten Fluß der Bewegung nicht unbedingt fördert. Außerdem hängen dadurch die Schleierenden links und rechts weit über, ich schaue daher in schöner Regelmäßigkeit „betreten“ aus der Wäsche und kann den sozialen Abstieg in die Bodenlage nur durch einen eleganten Froschhoppser abwenden.

Problem erkannt, Problem gebannt! Fassen wir das Wonnelätzchen also ein bißchen weiter, schließlich sind wir ja flexibel. Jetzt fühlt sich das Teil noch viel labberiger an und weigert sich entschieden, meine Richtungsvorgaben einigermaßen korrekt in die Tat umzusetzen. Außerdem rutscht mir der Stoff beim Schwung nach vorne über die Schulter und klebt dort mit einer Hartnäckigkeit, als wäre mein Bizeps mit Widerhaken bestückt. Himmel, hilf!

Eine weitere Schwierigkeit ist die lange Leitung. Nicht meine! Wenn der verflixte Sofaschoner ausnahmsweise mal leidlich vernünftig weht, macht er es in hingebungsvoller Zeitlupe und hinkt meinen genialen Vorgaben weit hinterher. Soll ich ein Bleiband einnähen, oder was? Dann gehen vermutlich meine Mitstreiterinnen k.o. Ich erhöhe meine Dynamik und ackere wie eine Windmühle bei Windstärke 10.

Schon besser! Schweißtreibend, aber besser!

Das Musikstück nähert sich allmählich seinem Ende, gerade noch ausreichend Zeit um ein großartiges Finale vorzubereiten, man weiß ja schließlich, was man den Zuschauern schuldig ist. Ich werde diesen überdimensionalen Topflappen in einem beidarmigen, gestreckten Halbkreis über den Kopf nach vorne führen, ihn malerisch zu Boden sinken lassen, während ich mit dem letzten Takt einen butterweichen Hüftakzent setzen werde. Wow! Absolut genial, ich hätte Choreograph werden sollen!!

Und los geht`s!

Das Seidenraupenmeisterstück schwebt erst folgsam nach oben, stürzt dann plötzlich ab wie eine Ente mit Kopfschuß und drapiert sich malerisch über Kopf und Schultern. Ich sehe aus wie ein Huhn in Frischhaltefolie. Ein triumphierendes, leises Kichern dringt an mein Ohr.

1:0 für den schwarzen Herrscher der Finsternis!

Der Termin für die zweite Runde steht bereits, aber dann werde ich diesen heimtückischen, rachsüchtigen Putzlumpen vorher auskochen.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, mein Freund!

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRFD

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

Guckst du einfach mal rein!

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