Startseite
NEU: BUCHVERÖFFENTLICHUNG!
Taizé
Naturgarten und Bio-Logisches
Kreative Bildbearbeitung
Bauchtanzwonnen
   Hurra, Band II ist da!!
   ESTODA? ESTODA!
   Werner im Detail
   Tipps und Tricks
   Bauchtanzsüchtig?
    Schnupperartikel
      Schleierhaftes
      Schleier II
      Stocktanz
      Schimmie
      Zimbeln
      Auftritts-Streß
      Drops
      Basar-Feilschen
      Hagalla
      Verkehr Oriental
      Bauchtanz-Publikum
      Arme
   Ziernarben
   Pharao´s Fluch
   Hüroglüfen
   Barbarisches Banner
Allgemeiner satirischer Rundumschlag
Downloads

SCHIMMY?

shimmie.doc [17 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)

Was ist Schimmy?

Um diese Frage anschaulich beantworten zu können, begeben wir uns auf eine kleine gedankliche Exkursion, folgen Sie mir also unauffällig. Wir befinden uns mitten in einer Großbaustelle. Zeit und Ort spielen keine Rolle, wichtig ist nur der stämmige Bauarbeiter unmittelbar vor uns. Mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft handhabt er einen schweren, ohrenbetäubend lauten Preßlufthammer. Schalten wir das Gehör aus - das ist ein Vorteil von Gedankenexkursionen - und treten ein paar Schritte näher.

Der Preßlufthammer vibriert mit unglaublicher Intensität und mit ihm untrennbar verbunden auch sein Bediener. Alles zittert, pulsiert, bewegt sich, der beachtliche Bauch schwingt aufgrund der Masse fast behäbig im Rhythmus, jeder Muskel zittert in seiner eigenen Frequenz.
Jetzt entfernen wir den Preßlufthammer, lassen den Körper aber weiterhin vibrieren, damit haben wir eigentlich schon - wenn auch grob und undifferenziert - den ersten Schimmy vor uns.

Als nächsten Schritt halbieren wir den Arbeiter gedanklich in Höhe des Nabels, schalten die Bewegung im Oberkörper aus und setzen das Ganze wieder zusammen. Dadurch entsteht ein völlig neuer Charakter der Bewegung: ein ruhender Pol oben, Chaos unten.

Dieses Prinzip der Isolation durchzieht sämtliche Schimmys, der krasse Gegensatz zwischen Ruhe und geballter Energie in unmittelbarer Nachbarschaft macht diese Form der Bewegung so reizvoll und interessant für den Zuschauer.

Leider steckt genau hier auch der Haken für den Ausführenden. Halbieren gelingt zwar im Gedankenexperiment mühelos, aber in der Praxis besteht der menschliche Körper unglücklicherweise aus einem Stück, wenn ein Teil zu vibrieren beginnt, fällt der Rest unweigerlich aus Solidaritätsgründen mit ein. Erste Schimmyversuche haben daher manchmal eher den Charakter von epileptischen Anfällen oder dem Griff in eine Starkstromsteckdose, entweder vibriert der gesamte Körper oder gar nichts.

Um die Vorgänge im Körper besser zu verstehen, werfen wir einen Blick in unsere Steuerzentrale, das Gehirn. Wir stehen in der Abteilung „Bewegung“, Unterabteilung „Bauchtanz“, Sektion „Schimmy“, unmittelbar vor einer schmucklosen weißen Tür.

Vorsichtig - leise bitte - treten wir ein. Fast das gesamte Innere des Raums wird von einem riesigen, waagrechten Kippschalter beherrscht, der drohend über uns emporragt. Unter dem Schalter steht in mannshohen Lettern „EIN“, die jetzige Position scheint folglich „AUS“ zu sein, dafür spricht auch das völlige Mißlingen unserer ersten Schimmy-Versuche. Eines der Ziele des Bauchtanzunterrichtes ist es offensichtlich, diesen Schimmyschalter im Gehirn zu aktivieren. Aber wie?

Werfen wir einen Blick auf die Schalteroberseite. Dort, in einer Mulde am Rande des Schalters liegt eine winzige Gestalt. Auf den ersten Blick fallen nur zwei überdimensionale Hinterpfoten und ebensolche Ohren auf. Wir rücken etwas näher. Das „was-auch-immer“ ähnelt einem braunen, strubbeligen, kugelförmig eingerollten Mop mit spitz zulaufenden, großen Ohren, die in einem feinen weißen Haarbüschel enden. Das Wesen liegt auf dem Rücken, in dieser Stellung bleibt fast der ganze Körper hinter den kräftigen Hinterpfoten verborgen.

Wir stehen von einem - momentan inaktiven - Exemplar der Wuschelhupfe, dieses spezielle Exemplar hat sich dem Schimmy verschrieben. Um ihn zu aktivieren brauchen wir lediglich einen weiteren unserer fruchtlosen Schimmystartversuche durchzuführen. Mit einem Ruck klappen die Ohren senkrecht nach oben, einen Sekundenbruchteil später, zu schnell um die Bewegung überhaupt wahrzunehmen, steht das Wesen in angespannter Körperhaltung aufrecht auf den Hinterpfoten und scheint intensiv zu lauschen, die kleinen, tiefliegenden, intensiv hellgrünen Augen funkeln erwartungsvoll.

Leider können wir den Anblick nur kurz genießen, denn jetzt erfüllt der Wuschelhupf seine Bestimmung, er beginnt zu hüpfen. Erst ein paar verhaltene Hopser zur Einstimmung, dann legt er richtig los. Mit jedem Sprung gewinnt er an Höhe und Geschwindigkeit, die massigen Hinterbein entwickeln eine enorme Schubkraft und katapultieren den kleinen schlappohrigen Pelzball mühelos von der Schimmy-Hauptschalteroberfläche nach oben.

Wuschelhupfs kennen weder Müdigkeit, noch Hunger oder Durst, ihr einziger Daseinszweck ist es zu springen und sie erfüllen ihn mit bedingungsloser Hingabe. Der haarige Winzling ist jetzt in seinem ureigensten Element und restlos glücklich, die grünen Augen sprühen vor Begeisterung. Mit krächzender Stimme schmettert er einen der traditionellen Wuschelhupfgesänge. „Boing boing bonga boing rap zarap“. Kein literaturpreisverdächtiger Text, aber es läßt sich auf alle Fälle herrlich dazu hüpfen!

Der gigantische Schalter scheint unbezwingbar - d.h. unsere Schimmyversuche mißlingen nach wie vor - aber die pausenlosen Vibrationen zermürben ihn langsam, irgendwann beginnt er endlich nachzugeben. Eine Winzigkeit nur, einen Hauch von einem Hauch, aber der Wuschelhupf hat nicht umsonst derart große Ohren. Er federt den letzten Sprung geschickt ab und verharrt einen Moment bewegungslos lauschend, dann zerreißt sein gellender Triumphschrei die Stille und er setzt zu einem explosionsartigem Endspurt an.

Übergangslos gibt der Schalter ein gequältes Knirschen von sich, senkt sich immer schneller werdend und rastet mit einem donnerndem Krachen in der unteren „Ein“-Position ein.

Im selben Moment geht unsere Hüfte geht plötzlich mit uns durch und macht zu unserer völligen Verblüffung und ohne unser Zutun erstmals einen durchaus ansehnlichen Schimmy. Vielleicht nur für wenige Sekunden, aber jetzt steht der Hauptschalter unwiderruflich auf „EIN “ und der Erfolg wird sich immer öfter einstellen.

Je öfter ein schimmysüchtiger Bauchtanzfrischling übt, desto schneller wird der betreffende Wuschelhupf seinen segensreichen Hüpf-Prozeß in die Wege leiten, der bei ausreichender Geduld unweigerlich zum Ziel führt. Es gibt viel zu tun.

Schütteln wir´s an!

Copyright ©
Werner David
Erding, 1997
Oohl reits risöörfd

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

Guckst du einfach mal rein!

Zurück zu: Zwerchfellkiller "Bauches Lust - Bauches Frust"









Gewöhnlicher Hauptseitenhüpfer
Gewöhnlicher Hauptseitenhüpfer

Zur Rückkehr anklicken

Sitemap Haftungsausschluß Impressum Nach oben