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Allgemeiner satirischer Rundumschlag
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KUCK MAL, WER DA ALLES SCHAUT...

kuckmalwerdaschaut.doc [21 KB] (Zum Daun-Loden anklicken!)

Hotel Basma, Assuan, kurz nach der abendlichen Buffetschlacht.

Heute steht eine orientalische Nacht mit Bauchtanz und Live-Musik auf dem Programm, die wir uns als Träger des Schimmie-Bazillus natürlich nicht entgehen lassen.

Ehrensache!

Erwartungvoll räkeln wir uns auf unseren Plätzen und beobachten die Musiker bei ihren Aufwärmritualen. Der Mann am Keyboard bewährt sich als Kabelschlangenbeschwörer und lockt mit gurrenden Balzlauten die Stecker in die entsprechenden Buchsen, der Darabukaspieler macht sich per Sound-Check auf die Suche nach dem Kammer-A und die Tänzerin mustert grimmig eine wanderfreudige Laufmasche am Bauchnetz, was diese aber nicht sonderlich beeindruckt.

Dann kann´s losgehen.

Bei den ersten Tönen sind wir angenehm überrascht. Die Anlage erfüllt nicht den ägyptischen Standard!

Schwein gehabt!

Um diese Freude verständlich zu machen, kurz ein paar Worte zum allgemein üblichen tontechnischen Standardprüfverfahren im arabischen Raum:

Dabei wird ein totes Huhn in exakt fünf Meter Abstand vom Zentrum der Lautsprecherbox aufgehängt und bei maximaler Lautstärke für zehn Sekunden beschallt. Bei einer vernünftigen Anlage ist das Huhn anschließend vollständig „entblättert“, die Federn finden sich in einem Radius von ca. 20 Metern wieder. Der erfolgreiche Abschluß dieses Hifi (Hühnerirritierende Federn-Intervention)-Tests wird mit einem kleinen goldenen Huhn in der linken unteren Boxenecke dokumentiert.

Die Anlage heute abend arbeitet im chickenfreien Bereich, d.h. die Lautstärke ist für einen robusten Europäer ohne Ohrstöpsel gerade noch erträglich. Natürlich ist die Anlage übersteuert und ein mörderischer Echoeffekt schüttelt die Oliven aus dem Cocktail, aber das gehört nun mal einfach dazu.

Außerdem interessiert uns natürlich in erster Linie die Tänzerin.

Auch hier gilt: Schwein gehabt!

Trotz ihrer hohen Absätze, mit denen ich schon nach einem einzigen Schritt das Einkommen meines Orthopäden aufstocken würde, bewegt sie sich so weich, anmutig und geschmeidig, daß mir ein wehmütig-neidischer Seufzer entfährt. Über diese Hüfte ist offensichtlich eine ganze Horde Sanso-Schäfchen getrabt. Ein neckisch-frecher Akzent jagt den nächsten, die junge Frau hat sichtlich einen Heidenspaß bei ihrem Auftritt. Und diese Schimmies! Der nackte Wahnsinn!!

(Nackt ist die Tänzerin übrigens keinesfalls, sondern im Gegenteil eher züchtig verhüllt; schlagender Beweis für die Richtigkeit der These: Stoff zu knapp, Technik schlapp).

Denn Technik hat sie! Hingerissen rücke ich meinen Stuhl etwas zur Seite, damit auch meine Hüfte freie Sicht hat und weiß, was ich künftig von ihr erwarte. Erst nach geraumer Weile registriere ich überrascht, daß meine Begeisterung keineswegs von allen geteilt wird. Verblüfft beäuge ich das Publikum etwas näher. Ein durchaus ergiebiges Forschungsgebiet!

Vom Buffet - eine jener sündigen Kalorienmeilen, die jeden Touristen spätestens am dritten Tag nach der Gürtellochzange greifen lassen - kehrt ein rundliches, kleines Männchen vom erfolgreichen Kalorienraubzug zurück. Den Hals weit nach oben gereckt, um noch über den bedrohlich aufgehäuften Teller hinwegsehen zu können, latscht er hemmungslos mitten über die Tanzfläche. Als ihm die Tänzerin nach einer schwungvollen Drehung mit bewundernswerter Geistesgegenwart im letzten Moment ausweicht, wirft er ihr einen vernichtenden Blick zu: „Wer sich an meinem Schnitzel vergreift ist des Todes“ scheint er zu sagen oder „Wieso zum Teufel tanzt du hier, während ich esse?“
Man könnte jetzt kontern: „Was latscht du hier, während sie tanzt, du Lümmel!?“ aber diese feine Ironie wäre wohl vergeudet.

Das Männchen verkrümelt sich samt Beutegut an den hintersten Tisch um dort in Ruhe weiter an der Optimierung seiner Isolationsschicht zu arbeiten. Der nächste Winter kommt bestimmt!

Eine Gruppe von ca. 20 Touristen verfolgt ähnlich hehre Ziele. Den Kopf tief über den Teller gebeugt, widmen sie sich in tiefer Versunkenheit seinem Inhalt, als läge hier die Anwort auf sämtliche Fragen des Universums. Den Tanz würdigen sie keines Blickes, ihr ganzes Sehnen und Trachten gilt der optimalen Ausschöpfung der Vollpension. Die Tänzerin bemüht sich redlich auch hier wenigstens einen Funken Interesse zu wecken, prallt aber an der stoisch arbeitenden Kaumuskulatur ab, wie an einem Granitfelsen.

Gott sei dank gibt es auch das andere Extrem.

Besonders ein junger Ägypter verfolgt die Darbietung mit wachsender Begeisterung und leuchtenden Augen. Die leckeren Grillspießchen auf seinem Teller duften frustriert und völlig unbeachtet vor sich hin, als er mit weit ausholenden Bewegungen der Gabel den Rhythmus aufgreift. Vor allem bei den feurigen Schimmiesequenzen ist seine verstörte Tischnachbarin im Interesse ihrer Gesundheit immer wieder zu blitzartigen Ausweichmanövern gezwungen, während der hoffnungsvolle Nachwuchsdirigent kein Auge von der Tänzerin läßt.

Stellenweise singt er die arabischen Liedtexte hingebungsvoll mit und in seinen Augenwinkeln glitzert es verdächtig. Ein Jammer, daß mein Arabisch so lausig ist. Natürlich geht es um die Liebe (was sonst gäbe es besingenswertes, außer dem Buffet vielleicht?), 99,9% aller ägyptischen Lieder handeln davon, aber von den bilderreichen, blumigen arabischen Liebesschwüren verstehe ich außer „Habibi“ - mein Liebling - verdammt wenig.

Langsam tauen nun auch etliche Touristen auf, als die Darbietung mit einem fetzigen Stocktanz weitergeht.

Einige Männer ertragen soviel geballte Weiblichkeit nur in homöopathischen Dosen. Sobald ihnen die Tänzerin zu nahe auf den Pelz rückt, flattert ihr Blick verstört hin und her und sucht verzweifelt nach einem neutralen Objekt, möglichst ohne verfängliche Rundungen. Eines der Opfer studiert mit dem Eifer eines Kunsthistorikers die Einlegearbeiten am Boden, ein anderer wird plötzlich voll und ganz von der Faszination der Speisekarte in Bann geschlagen. Dummerweise hält er sie um 180° gedreht, was die Wirkung der „Ich-würde-ja-gerne-zuschauen-aber-leider-bin-ich-momentan-völlig-unabkömmlich“-Demonstration doch etwas schmälert.

Rückt die Tänzerin trotz dieser Verteidigungsmaßnahmen noch ein Stück näher, sinkt das Opfer zunehmend in sich zusammen und beginnt langsam zu verblassen, bis nur noch ein paar rote Ohren geisterhaft im Raum schweben. (Der Prozeß ist glücklicherweise rückläufig, wenn die Tänzerin sich wieder entfernt.)

Ein Deutscher um die 50 mustert die attraktive Tänzerin dagegen völlig unverhohlen. Das ist in seinem Fall zumindest undiplomatisch, denn die Gattin sitzt unmittelbar neben ihm und ihr Blick verheißt nichts Gutes! Als erste Verteidigungsmaßnahme rückt sie den Stuhl demonstrativ näher an ihren Göttergatten und über ihrem Scheitel erscheinen in Fettdruck die Worte:

MEINER!!!“

Der Betroffene registriert diese Maßnahme allerdings nicht - wenn Hormone wallen, sind Männer nicht sehr sensibel - ein koketter Brustschimmie schlägt ihn gerade völlig in den Bann.

Der Orient hat doch wirklich seine Reize!

Das empfindet auch die hochgradig gereizte Gattin, legt augenblicklich den Arm um die Schultern des Kunstgenießers - weniger eine Geste der Zuneigung als vielmehr eine Maßnahme der Revierverteidigung - und zieht ihn mit einem Ruck näher zu sich heran. Überschrift:

FINGER WEG!!!“

Der bisher vorbildlich balancierte Rotwein kapituliert bei dieser Maßnahme und schwappt den Gesetzen der Schwerkraft gehorchend aufs Tischtuch.

„Ööha!“

Ein Bayer!

Die Tänzerin ist zwar nicht blind, aber offensichtlich sticht sie der Hafer und sie beendet die Attacke mit einer butterweichen Beckenwelle, die den Blutdruck des Opfers noch ein klein wenig in die Höhe treibt.

Oh, oh!

Gar nicht gut!!

Niemand zieht den Tiger ungestraft an den Schnurrhaaren, schon gar nicht einen weiblichen.

Die liebende Ehefrau holt einmal tief Luft, strafft sich und läßt

DEN BLICK

los.

Die hochsensible Hibiskusblüte auf dem Tisch rollt die Blätter ein und schiebt sich unauffällig aus der künftigen Kampfzone.

DER BLICK

ist ausschließlich Massenmördern, Kinderschändern und Frauen vorbehalten, die fremde Ehemänner anbaggern.
Innerhalb von Sekunden sinkt die Raumtemperatur in unmittelbarer Umgebung um 20 Grad. Eine Fliege, die unbesonnen die Blickrichtung kreuzt, stürzt wie ein Stein senkrecht zu Boden und zerschellt beim Aufprall in winzige Eiswürfelchen.

Die Tänzerin weiß wann es kritisch wird und hagallat elegant in Richtung des ägyptischen Gabeldirigenten davon.

Die treusorgende Gattin atmet erleichtert auf und fährt die Krallen langsam wieder ein während ihr Mann der Tänzerin einen wehmütigen Blick hinterherschickt.

Sie vollendet ihre Darbietung mit einer Reihe von atemberaubenden Drehungen, die elegante Schlußpose fällt präzise mit dem letzten Schlag der Darabuka zusammen.

Wow!

Der Ägypter wirft zur Erleichterung seiner Tischnachbarin endlich die Gabel von sich und applaudiert begeistert, die meisten Touristen folgen gnadenhalber.

Der dicke Bezwinger der Buffet-Nordwand verdrückt gerade unter Aufbietung aller Kräfte in einem geradezu heroischen Akt die allerletzte Nudel und ist daher momentan leider nicht abkömmlich.

20 Unterkiefer mahlen im synchronen Rhythmus unbeeindruckt weiter:

The Kau must go on!



COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRFD

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

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