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Allgemeiner satirischer Rundumschlag
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Abu ben Grabbsch und Kara ben Nimmsie

aburaffzahn.doc [20 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)

Assuan, schwarze Perle am blauen Nil.

An der Corniche, der zentralen Lebensader Assuans, die sich in Form eines straßenförmigen Bandwurms an das Nilufer schmiegt, drängt sich Geschäft an Geschäft. Freundlich lächelnde, perfekt getarnte Basarvampire warten geduldig auf ihre Chance den finanziellen Lebenssaft der Touristen auszusaugen. Falls irgend möglich bis zum allerletzten Tropfen. Und weder Sonnenlicht noch Knoblauch noch Silberkreuze oder angespitzte Holzpflöcke bieten den geringsten Schutz. Fremde, die ihr hier bummelt, laßt alle Hoffnung fahren! Und die Geldbörsen auch!

Sind Sie schon einmal über einen orientalischen Basar geschlendert? Ohne die geringste Kleinigkeit zu kaufen? Oder zumindest zu einem Preis, bei dem der Händler nicht noch nach drei Stunden hysterisch kichernd über dem Tresen hing.

Ja?!

Nun gut! Manche Menschen können ja auch auf dem Wasser wandeln.

Falls nein, herzlich willkommen im Club.

Normalerweise wirken Basare auf die Bargeldbestände der Touristen wie ein Kadaver auf Schmeißfliegen. Absolut unwiderstehlich! Damit Sie den Rückflug in die Heimat nicht im Lendenschurz und auf Kredit ihrer Botschaft antreten müssen, finden Sie im Folgenden fundiertes Fachwissen für Feilschfrischlinge.

Damit wir uns recht verstehen: Ich selbst beherzige keinen einzigen dieser Ratschläge! Ich bin naiv, inkonsequent, vertrauensselig, blauäugig, trage an der Kehle eine tätowierte Linie mit der Aufschrift „Bitte hier einschneiden“ und lasse mir mit schöner Regelmäßigkeit das spärliche Fell über die Ohren ziehen. Sozusagen ein pädagogisch hochkarätiges Negativbeispiel, aus dem Sie eine Menge lernen können. Folgen Sie mir also bitte unauffällig!

Es ist später Nachmittag, die Dämmerung hat sich über das Nilufer gesenkt, und die Luft ist angenehm mild. Horden von Touristen verlassen ihre Pool- und Strandverstecke und schwärmen zu den allabendlichen Souvenirbeutezügen aus. Alle Schattierungen der Farbpalette sind vertreten. Von wasserleichenblassen Waden in neongrünen Shorts über das krebsrote Ergebnis der Einreibung mit Sonnenmilch Lichtschutzfaktor „Warwohlnix“ bis hin zu den bereits in der Heimat solariumsvorgegrillten Knackbräunlingen, die aussehen wie ein Grillhähnchen im Endstadium. Alles wuselt, wurlt und schnattert durcheinander.

Ich distanziere mich von diesen Auswüchsen des Homo spapiens touristicus und halte mich etwas abseits. Die Corniche bietet dem Käufer einen großen Vorteil. Da sie auf einer Seite vom Nil bzw. der Hauptstraße begrenzt wird, kann der Angriff der Händler wenigstens nur von einer Seite erfolgen. Er läßt dann auch nicht allzu lange auf sich warten.

Als ich unvorsichtigerweise 2,5 Sekunden vor einem Schaufenster stehenbleibe - das sollten Sie prinzipiell nie machen - erscheint wie durch Zauberei der Besitzer unmittelbar neben mir. Ich bin sicher, er hat nicht einmal die Türe geöffnet.

„Ahlan wa sahlan, mein Freund!“ (Herzlich willkommen!)

Gepriesen sei mein Arabischlehrer, ich kann eine passende Retourkutsche anbieten: „Ahlan biek, ja reiis atugar“. (Sei ebenfalls willkommen, oh Präsident der Händler). Damit will ich ihn keineswegs auf den Arm nehmen, die arabische Sprache ist reich an blumigen Höflichkeitsfloskeln, eine Eigenschaft, die meiner albernen Ader sehr entgegenkommt.

Ein glückliches Strahlen erhellt die Züge des Händlers. Ein arabisch radabrechendes Opfer! Endlich ein leckeres Dessert nach all dem faden Touristenalltagseintopf. Wir spielen eine Runde klassisches Begrüßungs-Pingpong. Jetzt kenne ich seinen Namen (Mohammed, der 100.001 in Ägypten), seine momentane Befindlichkeit (Gut, Lob sei dem Herrn!) und die Anzahl seiner Kinder (2 Söhne und eine Tochter). Damit bin ich fast schon ein Freund der Familie.

Ich finde mich übergangslos auf einem etwas wackligen Hocker im Inneren des Geschäftes wieder. Erneut hat sich die Türe nicht geöffnet. Möchte ich vielleicht Tee? Ich möchte! Bleib doch noch zum Essen, sagte die Spinne zur Fliege. Bevor ich zweimal „Du kaufst hier nichts, hörst du!“ denken kann, steht der Tee bereits vor mir, stark, süß und kochend heiß. Ägypter haben sich im Lauf der Jahrtausende Asbesteinlagerungen in den Fingerspitzen zugelegt, ich dagegen nicht. Verdammt, ist das heiß! Die Kunst ist, schnell genug am Tee zu nippen und das Glas blitzartig wieder abzusetzen, bevor man es mit einem Aufschrei von sich wirft. Tee-Test bestanden!

Nach einigen Minuten ist mein Vorrat an arabischen Small-Talk-Floskeln langsam erschöpft, die Lage wird kritisch.

„Möchtest du vielleicht etwas kaufen?“ Den Teufel will ich! Aber der grenzenlos harmlos-unschuldige Blick des Händlers lullt mich ein. Ich schlendere durch den Raum.

Ein großes Regal ist ausschließlich mit schwarzen Statuen ägyptischer Götter vollgestopft. Mehr zum Spaß als aus Interesse frage ich: „Bikam?“ (Wieviel?)

„40 Ginéh (10 Euro) nur für dich, mein Freund! Seeeeeeeeehr billig!“

„Da eh!?“ (Was ist das?)

„Basalt!“

Mit offenem Mund starre ich diesen Meister der Unverfrorenheit an. Er zuckt mit keiner Wimper, obwohl seine Nase um mindestens 50 cm wachsen müßte. Winnetou wäre stolz auf ihn. Falls Sie diesen „Basalt“ zuhause auf eine heiße Herdplatte stellen sollten, finden Sie nach einer Viertelstunde nur noch eine stinkende Gießharzpfütze.

Basalt! Mohammed, du bist echt cool!

Na egal, ich will hier ja sowieso nichts kau . . .öha! Ich trete einen Schritt näher, nehme eine der Statuen in die Hand und dann geschieht etwas unsagbar Grauenvolles. Ich breche in schallendes Gelächter aus! Eine eklatanter Verstoß gegen die elementarste aller Feilschregeln: Lassen Sie sich nie, unter gar keinen Umständen Ihr Interesse an einem Produkt anmerken oder Sie werden es bitter bereuen!

Es ist eine Statue des Dämonen abwehrenden Schutzgottes Bes, der meine halbherzigen Poker-Face-Versuche unwiderruflich scheitern läßt. Dickbäuchig, krummbeinig, mit fratzenhaftem Gesicht und saukomisch.

„Bikam?“

„60 Ginéh! Sehr schöne Arbeit!“ Mohammed ist die personifizierte Unschuld, obwohl seine Eckzähne etwas länger zu werden scheinen.

Ich schnappe empört nach Luft: „Da alf manachulia!“ (Das ist tausend verrückt!) Grammatik war noch nie meine starke Seite. Mohammed schaut mich an wie ein brutal von seinem Lieblingssessel vertriebener Bernhardiner und legt ergriffen die Hand auf sein gequältes Herz. So viel Schmerz in so wenig Ägypter. Was bin ich nur für ein gewissenloses Monster!

„55 Ginéh!“

Wenn ich Rindvieh meinen großen Mund gehalten hätte, wäre das Spiel bei 40 Ginéh losgegangen. Altes Schlitzohr! Nicht mit mir! Ich setze die klassische „Auch-mein-Herz-bricht-gleich“-Miene auf und drücke ebenfalls das schockierte Herz. Geteiltes Leid ist halbes Leid!

„20 Ginéh. Enta musch kariem, enta bachiiil! Ana fa´ir aui! Eindi alf Atfaal!“ (Du bist nicht großzügig, du bist geizig! Ich bin sehr arm! Ich habe tausend Kinder!) Zugegeben, das ist vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber das arabische Wort für „Zehn“ fällt mir immer ums Verrecken nicht ein. Mohammed vergißt kurzfristig gekränkt zu sein, so sehr muß er lachen. Um dem Ernst der Situation wieder gerecht zu werden, schenkt er mir erneut eine Tasse Tee ein. Uff, meine Nieren entwickeln langsam Wasserflöhe! Feilschen in Ägypten ist urologische Schwerstarbeit.

„40 Ginéh!“ Mohammed zieht ein Gesicht als hätte er mir eigenhändig den Schatz Tut Anch Amuns zu Füßen gelegt. Mein Gott, leg einen Zahn zu, Mann, ich muß endlich pinkeln!

„25 Ginéh. Filussi ssej namla nuss bass!“ (Mein Geld ist nur wie halbe Ameise). Mein leidgeprüfter Arabischlehrer würde mich vermutlich erbarmungslos ans Kreuz nageln aber glücklicherweise ist er außer Hörweite. Mohammeds Weltschmerz ist wieder kurzfristig im Eimer. Ich bin wirklich unfair!

„30 Ginéh!“

Ach, zum Kuckuck was soll’s!

„Tamam!“ (Gut!) Wir schütteln uns die Hände und grinsen beide wie die Honigkuchenpferde. WC, ich komme, das interne Überdruckventil gerät langsam in kritische Bereiche! In etwas unziemlicher Hast mache ich mich von dannen.

Ein Fehler!

Während ich in Richtung des rettenden Hotels eile, bewundere ich meine hart erkämpfte Trophäe.

Ein zweiter Fehler!

Bevor ich noch weiß wie mir geschieht, stolpere ich und schlage mit der unnachahmlichen Anmut des Tänzers der Länge nach hin. Willkommen Mutter Erde! Die Statue beschreibt einen anmutigen Bogen, bevor sie, den Gesetzen der Erdanziehungskraft folgend, beim Aufprall in ein 15-teiliges 3D-Puzzle zerschellt. Ich hasse Physik! Fassungslos betrachte ich den göttlichen Scherbenhaufen.

„Siffd!“ (Mist!)

Mohammed eilt aus seinem Geschäft und hilft mir besorgt auf die Beine. In seinen Augen steht ein seltsames Glitzern. Triumphierend hält er mir eine neue, unversehrte Statue von Bes entgegen.

„Misch muschkella. 60 Guinéh bass!“ (Kein Problem. Nur 60 Guinéh!)

Fortsetzung folgt ...!

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRFD

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

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