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Allgemeiner satirischer Rundumschlag
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JA, WO LÄUFT SIE DENN . . . ?

pups.doc [18 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)

Der große, liebevoll dekorierte Saal ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. 250 Allerwerteste rücken sich erwartungsvoll für die kommenden Stunden zurecht, biologische Entspannungspräparate auf Hopfen-Malz-Basis finden reihenweise ihre Liebhaber.

Bei den Veranstaltern herrscht der ganz normale Wahnsinn kurz vor jeder Show:

Ein Darabukaspieler macht letzte Lockerungsübungen, die lädierten Fingerkuppen dick mit Tape eingepflastert. Der Tontechniker produziert eine mörderische Palette von Rückkopplungsquietschern, die auch letzte Reste von Müdigkeit im Publikum verscheuchen. Ein Scheinwerfer mit optischem Schluckauf beruhigt sich nach einem professionellen Tritt des Beleuchters, der vergeblich versucht Ordnung in das Kabelchaos zu bringen. Ein Auftrittsfrischling mit hochgradigem Lampenfieber wird von mitfühlenden Kolleginnen mit Sekt und verbalen Streicheleinheiten für den großen Moment gedoped. Die unersetzliche CD mit den Auftrittsstücken enthält schockierenderweise lediglich die neuste Version der Moorhuhnjagd für PC´s, der verantwortliche Sprößling ahnt glücklicherweise nichts von den schauerlichen Morddrohungen, die seine hochgradig genervte Mutter gerade gegen ihn ausstößt. Die strategisch wichtigen BH-Verschlüsse werden einer letzten gewissenhaften TÜV-Prüfung unterzogen, Risse im Make Up gespachtelt, immer knisternder wird die Spannung bei allen Beteiligten.

Und dann ist es endlich soweit.

Showtime!

Als der Vorhang sich hebt, gehen kollektive „Aaaah´s“ und „Ooooh´s“ durch das Publikum.

Ein pharaonischer Leuchtertanz!

Wow!

Die beiden Tänzerinnen sind eine Wucht.

Von den akkurat lackierten Zehennägeln bis hinauf zu den Kerzen, die allen feuerpolizeilichen Vorschriften zum Trotz lustig flackern, paßt einfach alles. Kein Haar tanzt aus der Reihe, der Lidstrich sitzt perfekt und das Kostüm ist ein wahres Gedicht. Nach einem einzigen Blick hätte Ramses II die beiden ohne Zögern seinem Harem einverleibt.

Das Musikstück ist selbst für eingefleischte Orientmuffel ausreichend ohrwurmig, die Bewegungen der Tänzerinnen weich und harmonisch.

Herz was willst du mehr?

Nach einer schwungvollen Drehung stehen die beiden Tänzerinnen, die sich bis dahin völlig synchron bewegt hatten, überraschenderweise Rücken an Rücken.

Das Publikum klatscht begeistert. Guter Gag!

Insidern beginnen sich dagegen die ersten Nackenhaare aufzustellen und sie mustern das Gesicht der linken Tänzerin mit besorgtem Blick. Der schreckliche Verdacht bestätigt sich sofort! Ihr Gesichtsausdruck zeugt von jener völligen Verwirrung, die ein Schnitzel im Löwenkäfig empfindet: „Wo bin ich und was um alles in der Welt mache ich ausgerechnet hier?!“

Ach du Sch . . . , PUPS hat wieder mal zugeschlagen! Mindestens Stärke 5!

Diese auch als Choreographie-GAU (GAU: Größter anzunehmender Unfall) bekannte "peinliche Unterbrechung professioneller Schrittfolgen" ist der Alptraum einer jeden Tänzerin:

Entgegen manchen Vorstellungen sind Choreographien nicht spontane göttliche Eingebungen talentierter Hüften, sondern sie wurzeln in schweißtreibender Knochenarbeit. (Deswegen liebe ich sie wie der Teufel das Weihwasser.) Es gilt eine festgelegte Abfolge von komplexen Bewegungsmustern zu verinnerlichen, abzuspeichern und bei Bedarf zu reproduzieren. Eine Sauarbeit, die sich über Wochen oder gar Monate hinziehen kann.
Als Lohn der Mühen kann eine Tänzerin das Stück auch bei 40° Fieber, 3,8 Promille oder einem akuten Migräneanfall mit schlafwandlerischer Sicherheit aus der Hüfte schütteln.

Vorausgesetzt - und dieses tänzerische Damokles-Schwert hängt erbarmungslos über jeder Show - der Choreographie-GAU schlägt nicht zu.

Unser Opfer ist schier verzweifelt.

Sämtliche Daten aus dem Choreographie-Hauptspeicher scheinen schlagartig unauffindbar verschollen zu sein und alle inbrünstigen Anfragen führen lediglich zu Fehlermeldungen: „Unzureichender Schimmiespeicher, wollen Sie abbrechen?“, „Schwerer Systemfehler im Hagalla-Sektor“ und schließlich „Sämtliche Systeme überlastet, Selbstvernichtung in 60 Sekunden. Hasta la vista, Baby!“

Nach außen hin hat sich für den uneingeweihten Betrachter so gut wie nichts verändert. Ursache ist ein Jahrtausende altes, ehernes Naturgesetz, das jede Tänzerin tief in ihr Herz gemeißelt hat. Niemals, unter absolut gar keinen Umständen wird sie während eines Auftritts stehenbleiben. Mag die Choreographie auch vergessen sein, mag das Lampenfieber unbarmherzig wüten, mag sie auch tausend Tode sterben - sie stirbt in Bewegung.

Eine einsame Schweißperle rinnt über die Stirne und veranlaßt das Make-Up zu einem empörten Aufheulen angesichts solcher Rücksichtslosigkeit.

Jetzt geht es um das nackte Überleben und das bedeutet Improvisation auf Teufel komm raus! Für kurze Zeit bewegen sich die beiden Tänzerinnen unabhängig voneinander, treffen sich bei einer gemeinsamen Sequenz und driften wieder auseinander.

Das Publikum ist von derartiger tänzerischer Raffinesse begeistert. 160 inbrünstig gedrückte Insiderdaumen nehmen langsam eine bläuliche Färbung an.

Eine Art kurzer „Kanon“ schließt sich an. Beim verzweifelten Schielen aus den Augenwinkeln - das zu einem massiven Augenmuskelkater am nächsten Tag führt - nimmt die Tänzerin die Bewegungen ihrer Mitstreiterin erst im letzten Moment wahr und wiederholt sie zeitlich leicht versetzt.

Die Frau hat echt was drauf! Das Publikum würdigt die Leistung mit einem kurzen Zwischenapplaus.

Die Tänzerin schwört feierlich bei allen Heiligen, sich nie, nie wieder in ihrem ganzen Leben auf so einen verflixten Auftritt einzulassen, die Choreographie scheint kein Ende zu nehmen. Glücklicherweise geht ihr Zittern im Schimmie völlig unter.

Langsam, ganz langsam keimt wieder Hoffnung. Einzelne Fragmente der Choreographie tauchen unvermittelt aus dem Nirwana auf, stürzen sich besorgt auf ihren Platz an der Hüfte und übernehmen wieder die Führung. Das eingefrorene Lächeln und der glasige Blick normalisieren sich langsam. Sogar die Kerzen flackern wieder fröhlicher.

80 Frauen reiben erleichtert 160 malträtierte Daumen.

Beide Tänzerinnen tanzen jetzt wieder absolut synchron, ein zaghaftes Lächeln schleicht sich auf die Züge des Ungückswurms und wächst langsam zu einem glücklichen Strahlen an.

Ende gut, alles gut!

PUPS heult enttäuscht auf und versucht verzweifelt seinen Platz zu behaupten, aber jetzt kämpft er endgültig auf verlorenem Posten. Die Tänzerin ist wieder voll da und setzt zu einem souveränen und unsäglich erleichterten Endspurt an.

Mit einem fast greifbaren Aufatmen sinkt sie endlich, endlich in die heiß ersehnte, elegante Schlußpose, alle Kerzen brennen nach wie vor vorschriftsmäßig.

Das Publikum tobt:

Saustarke Leistung!
Begnadeter Choreograph!! Phantastische Tänzerinnen!!!

Der Puls der Tänzerin sinkt langsam wieder auf einigermaßen menschliche Werte.

Geschafft! Völlig geschafft!!

Vielleicht, also wirklich nur vielleicht, ist sie ja bei der nächsten Show doch wieder mit dabei

COPYRIGHT ©
WERNER DAVID
LUKASFELDSTR. 21
85435 ERDING, 2001
OHL REITS RISÖRF

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Homepage www.bauches-lust.de

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