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Allgemeiner satirischer Rundumschlag
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ERB ARME N

erbarmen.doc [20 KB] (zum Daun-Loden anklicken!)

„Ich dreh ihr den verdammten Hals um! Am besten zweimal!!“ Blitzartig durchzuckt mich dieser verführerische Gedanke, ehe ich ihn packen und innerlich schuldbewußt errötend wieder in den tiefsten Abgründen meiner rabenschwarzen Seele verstauen kann. Der Stein des Anstoßes steht unmittelbar vor mir, eigentlich ist es eine „Steinin“ in Gestalt meiner armen Bauchtanzlehrerin. Mit Sicherheit hat die Ärmste keine Ahnung, was für finstere Emotionen sie in mir weckt und bemüht sich lediglich nach bestem Wissen und Gewissen ihre Aufgabe zu erfüllen.

Eine unlösbare Aufgabe, wie es den Anschein hat.

Eigentlich bin ich auch gar nicht auf sie wütend, sondern auf mich, bzw. auf diese dreimal vermaledeite Figur. Schlangenarme! Wah!! Wie kann man nur? Der Name paßt voll und ganz. Spätestens nach fünf Minuten verspüre ich den innigen Wunsch, die entsprechende Lehrerin in eine Schlangengrube mit durchtrainierten, hungrigen und äußerst übel gelaunten Anakondas zu werfen. Dabei hatte die Stunde so fetzig droppig-hüftakzentig angefangen, ganz nach meinem Geschmack, bis dann aus heiterem Himmel die verheißungsvolle Ankündigung auftauchte: „Jetzt machen wir noch ein bißchen was für die Arme.“ Bei dieser frohen Botschaft verpufft mein Elan schlagartig.

Nun denn, es sei!

Eines der wesentlichen Grundprinzipien des Bauchtanzes ist die Isolation, speziell die Isolation der Arme gelingt mir hervorragend. Ich kann sie derart vollständig von meinem restlichen Körper isolieren, daß sie gar nichts mehr machen, um meiner Hüfte die Show zu stehlen. Sie rasten brav in ihrer Standardposition ein und warten auf weitere Anordnungen, wie sich das gehört, anstatt sinnentleert durch die Gegend zu schlängeln, mich zu irritieren und den Gesamteindruck zu versauen. Wer hat denn hier eigentlich das Sagen?

Meine Hüfte und ich schließen insgeheim ein feierliches Schutz- und Trutzbündnis um den orientalischen Tanz vor schädlichen Armeinflüßen zu bewahren.

Was sind überhaupt Arme?

Arme sind seitliche Anhängsel der Köperlängsachse. Punkt!

Mehr nicht!

Millionen von glücklichen Fischen, Walen, Muscheln, Schnecken, Schlangen, Würmern und Vögeln beweisen unwiderlegbar ihre völlige Nutzlosigkeit. Nur der Mensch, in seinem albernen Bestreben, sich permanent als Krone der Schöpfung zu beweisen, mußte unbedingt diese Neuerung einführen. (Ich weiß, auch die Affen haben Arme, aber die zwingt schließlich keiner bauchzutanzen).

Betrachten wir uns diese Sorgenkinder etwas näher. Wir stoßen auf die verblüffende Gesamtanzahl von 34 Gelenken! Erschreckend, aber zählen sie nach, es stimmt. Als Tänzerin ist es nun ihre - und meine - undankbare (und undenkbare) Aufgabe, durch gezieltes Ansteuern der richtigen Elemente im richtigen Moment, einen harmonischen Gesamteindruck zu erzielen und das Ganze mit dem Rest des Körpers und nicht zuletzt dem Rhythmus in Einklang zu bringen. Können Sie sich das vorstellen? Ich auch nicht! Pure Phantasterei!

Bei all meinen Problemen im orientalischen Tanz sind die Arme nie weit. Zu Anfang war alles noch ganz einfach! Die Rhythmen waren mir fremd, die Bewegungsmuster unvertraut, meine Hüfte noch in Beton gegossen und die Furcht vor einem eventuellen Rausschmiß durch die Damenwelt schwebte wie ein Damoklesschwert über mir.
Es galt Prioritäten zu setzen. Eine Hüftacht ohne Bewegung der Arme ist nach wie vor eine Hüftacht, eine Hüftacht ohne Bewegung der Hüfte ist dagegen kompletter Blödsinn.

Logische Schlußfolgerung: Vergiß die Arme und stürz dich auf die Hüfte. Die so ins Rampenlicht gerückte Hüfte dankte mir die Zuwendung mit raschen Fortschritten. Es lief! Nach einiger Zeit war es dann nicht mehr nötig meine Hüfte ständig im Auge zu behalten, sie entwickelte Selbständigkeit und fing an freiwillig mit mir zusammenarbeiten. Zu meinem freudigen Erstaunen kamen manche Figuren schon ganz passabel. Bis eines Tages eine schüchterne Stimme an mein Ohr drang:
„Hallo...Entschuldigung, wir möchten ja wirklich nicht stören, aber hier sind deine Arme! Könntest du dich vielleicht auch ein klitzekleines bißchen um uns kümmern?“

Arme?

Der Name kam mir bekannt vor. Hatte ich Arme beim Tanzen? Äh.......keine Ahnung! Beim nächsten Stück beäugte ich mich etwas näher im Spiegel. Niederschmetternd! Ich hatte tatsächlich Arme! Grauenvolle!! Beim Kamelgang baumelten sie schlapp an der Seite, Marke toter Aal, bei Hüftakzenten und Drops stiegen sie etwas höher, wie bei einem nassen Kormoran der seine Flügel zum Trocknen hängen läßt oder sie verharrten halb ausgefahren über meinem Kopf, als hätte ich Angst vor Steinschlag. Meine Begeisterung zerstob ins Nichts.



Keine Spannung, keine Ästhetik, keine Ausstrahlung, kein gar Nichts. Nach einer wohltuenden aber nutzlosen Phase des Selbstmitleids, stürzte ich mich mit grimmiger Entschlossenheit auf die dreisten Körperanhängsel.

Schon bald machte ich eine faszinierende Entdeckung. Alles was bei der Armführung gut aussieht, ist entweder anstrengend, unbequem oder schmerzhaft. Selbst ein Arm der scheinbar nur entspannt durch die Gegend hängt, ist in Wirklichkeit bis in die Fingerspitzen kontrolliert und angespannt. Arme, die in anmutig geschwungenem Bogen seitlich nach oben schweben und weit über dem Kopf, mit einander zugekehrten Handflächen und eleganter Fingerposition einrasten, sind der reinste Horror für den Ausführenden! Das sieht vielleicht mühelos aus, aber ganz sicher fühlt es sich nicht so an! Falls doch, sind sie entweder Profi - und damit sowieso jenseits von gut und böse - oder sie machen irgend etwas verkehrt. Wenn sie dagegen die Spannung immer wieder kurz lösen, weil ihnen die Arme abzufallen drohen, wenn sie absolut nicht das Bedürfnis haben verführerisch zu lächeln, sondern irgend etwas zu zerschmeißen, wenn sie alle zwei Minuten die verkrampften Armmuskeln ausschütteln und die Schulter massieren, wenn sie immer wieder verstohlen auf die Uhr sehen, wann die verflixte Übung endlich vorbei ist und sie ihre Lehrerin dahin wünschen wo der Pfeffer wächst, dann können sie sich gratulieren.

Genau so soll es sein!

Ein zweites Problem ist die Kluft zwischen Schokoladen- und Kamillenteeseite. (Zum besseren Verständnis: Ich verabscheue Kamillentee aus tiefster Seele und trinke ihn wirklich nur dann, wenn es um Tod oder Leben geht.)

Ich bin ein ausgesprochener Linkshänder, -armer, -hüfter und -beiner. Was links wie von selbst läuft, braucht auf der rechten Seite intensivste Übung. Ganz unbewußt habe ich mich lange Zeit nur auf meine Lieblingsseite konzentriert - schließlich schaut sie schon nach was aus - und die Kontraste so weiter verschärft. Manche gleitenden Bewegungen der linken Hand sehen inzwischen gar nicht so schlecht aus (Eigenlob stinkt, aber so ist es nun mal), rechts dagegen wirken sie abgehackt und eckig, wie bei einem größenwahnsinnigen Klappmeterstab, der sich für eine geschmeidige Viper hält. Erst nachdem ich mir geraume Zeit ausschließlich die mißratene Rechte zur Brust genommen habe, wird es jetzt langsam besser. Die Beschäftigung mit der Kamillenteeseite kann manchmal sehr unergiebig, langwierig und frustrierend sein, bleiben sie trotzdem am Ball, irgendwann spüren sie die Fortschritte. Ihr Schokoladenseite mag kurzfristig schmollen, aber sie brauchen sie ja nicht ständig zu verhätscheln, die kommt auch alleine klar.

Die Verinnerlichung jeder neuen Figur ist bei mir ein mehrstufiger, mehr oder weniger mühevoller Prozeß.

Phase 1: Nackte Verzweiflung. Was zum Kuckuck macht die eigentlich da vorn?

Phase 2: Hoffnungsschimmer am Horizont. Das Chaos lichtet sich langsam, ich beginne das Prinzip zu verstehen, auch wenn meine Arme immer noch auf der Leitung sitzen.

Phase 3: Verhaltenes Frohlocken. Erste „Aha“-Erlebnisse der Schokoladenseite.

Phase 4: Jetzt kommt Freude auf. Verstärkte „Aha“-Erlebnisse der Schokoladenseite, Kamillenteeseite folgt zögernd.

Phase 5: Macht ja direkt Spaß. Schokolade und Kamillentee kommen sich langsam näher.

Phase 6: Reine Ekstase. Ästhetik in Reinkultur. (Diese Phase fällt bisher noch in den Bereich des Science fiction).

Stellenweise werden sie sehr, sehr lange auf einer dieser Stufen verharren, manche Knoten lösen sich erst nach Monaten oder Jahren. Lassen sie dennoch den Kopf nicht hängen, andere Figuren gelingen dafür um so schneller.

Abschließend noch eine letzte Klippe, die bei der Führung der Arme Umschifft werden muß, die Synchronisation von Armen und Hüfte:

Bei seitlichen Hüftakzenten pendelt meine Hüfte fröhlich in relativ harten, abgezirkelten Ausschlägen, gleichzeitig wandern die Arme in einer bogenförmigen fließenden Bewegung nach oben, eine Geste bestechender Anmut.

Pustekuchen! Das sollten sie zwar, tun sie aber keineswegs. Jeder Arm beäugt eifersüchtig die Hüfte und übernimmt sofort exakt deren Rhythmus. Die daraus resultierende zuckende Armbewegung erinnert - in Verbindung mit der entsprechenden Hüftfigur - an einen Ganzkörperschluckauf. So hüpft vermutlich ein Frosch auf dem heißen Kuchenblech, Ästhetik oder gar Erotik lassen hier noch schwer zu wünschen übrig.

Die eiserne Verkettung von Hüfte und Armen zu durchbrechen ist - wieder mal, wir sind es ja schon gewöhnt - eine Sisyphusarbeit. Zum Glück gibt es einen genialen Trick, der mir sehr geholfen hat. Sturheit! Impertinente Beharrlichkeit knackt auf Dauer jeden noch so hartnäckigen Arm, auch den Ihren! Üben sie immer wieder, selbst wenn sie den Eindruck haben keinen einzigen Millimeter vorwärts zu kommen. Irgendwann werden ihre Arme verzweifelt die weiße Fahne hissen, bedingungslos kapitulieren und ab da ein Quell(chen) der Freude für sie sein.

In völlig hoffnungslosen Fällen (ich kenne allerdings bis jetzt keinen) bleibt nur eine Möglichkeit. Nähen sie zwei Schlaufen an den Hüftgurt, haken sie die Daumen ein, vergessen ihre lästigen Arme und genießen den Tanz

Copyright ©
Werner David
Erding, 1997
Oohl reits risöörfd

Weitere 28 tierisch ernste Artikel rund um den Orientalischen Tanz findet ihr in „Bauches Lust, Bauches Frust“, ISBN 3-8311-1964-3, 139 Seiten, 9,50 Euro. Nähere Infos auf meiner Website www. bauches-lust.de

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