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Eindrücke aus dem ersten Modul (Uff ...!)

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ESTODA, 1. Modul Fürth: Impressionen eines Ahnungslosen


Die Umsetzung des Sprichworts „In der Kürze liegt die Würze“ gelingt mir ähnlich problemlos wie Mustafa, packt also schon mal den Traubenzucker und die Feldbetten aus.
Sorry, ich kann nun mal nicht aus meiner Haut!

Und los geht´s:

Zu Beginn aller ESTODA-Aktivitäten steht erst einmal eine kleine Lektion in Sachen Demut. Da die Argusaugen von Yasmin selbst Kniebewegungen auf der submikroskopischen Ebene wahrnehmen wollen, sind meine heißgeliebten wallenden Pluderhosen der Zensur zum Opfer gefallen und mussten absolut ungewohnten Leggins weichen. Figurbetonte Leggins haben einen ganz entscheidenden Nachteil: Sie sind figurbetont! Ich habe zwar im Moment glücklicherweise mein absolutes Idealgewicht, bin aber noch etwas untergroß, was einen ausgeprägten „Ägquator“ zur Folge hat. Laßt uns den barmherzigen Mantel des Schweigens über diese Sonderform der „Röllchenversiegelung“ breiten.

Unsere ESTODA-Dompteuse Yasmin ist groß, schlank, voll quirliger Lebendigkeit und mit einer ausgeprägten, lebhaften Mimik. Der schon fast 20-jährige „Kampf“ mit den Schülerinnen hat ihre kurzen Haare reichlich mit Grau durchschossen – ich hoffe, ich bin nicht allzu „grau“envoll - , und das Netzwerk der Fröhlichkeit ihrer tief erodierten Lachfalten würden jeden Schönheitschirurgen in den Freitod treiben. Sie hat die segensreiche Gabe, diesen an und für sich „pfurztrockenen“ Stoff mit Leben und Humor zu erfüllen und sie unterrichtet mit Hingabe und Freude. Obwohl die Atmosphäre im Kurs sehr konzentriert ist, wird trotzdem auch immer wieder viel gelacht. Yasmin setzt auf die Wirkung einer bilderreichen, lebendigen und anschaulichen Sprache, sei es, daß sie eine Gewichtsverlagerung als „Sumpf-Testschritt“ (erst auftreten, dann belasten) bezeichnet, oder dass sie auf das Märchen von Klein-Kleopatra auf der Wippe zurückgreift. Außerdem stellt sie permanent Fragen, die sich nur durch Beobachtung des eigenen Körpers beantworten lassen und damit zu verschärften „Aha“-Erlebnissen führen.

19 Frauen (einschließlich mir) standen im Tanzstudio Chakra von Seetha auf der Matte, um in das sagenumwobene ESTODA hineinzuschnuppern, weitaus die meisten hatten schon etliche Bauchtanzjährchen auf dem Buckel. Knallharte, mit Schimmynarben übersäte Veteraninen, die sich trotzdem nicht scheuten in gewisser Weise wieder bei Null anzufangen. Mit der geballten Wucht von Nessimah und Jenni aus dem Forum waren mir doch schon etliche Gesichter bekannt, vertraute Elemente am Beginn eines Workshops finde ich immer ungemein beruhigend.

Das Studio von Seetha ist groß, aber urgemütlich und mit viel Liebe eingerichtet und gestaltet. Auffällig die hochwirksame Euro-Leimrutenfalle in Form eines üppig bestückten Bazars, ein Tresen zum relaxten Lümmeln und eine herrlich gemütliche Sitzecke, aus der man nur höchst widerwillig aufsteht, wenn man sich erst einmal niedergelassen hat. Seetha ist ein schlankes Reh (um Missverständnissen vorzubeugen: „Reh“ bezieht sich nur auf die Figur, nicht auf den Charakter) mit sehr viel Charme, einem pfiffigem Humor und dem kaum wahrnehmbaren Hauch eines fränkischen Dialekts (ca. Windstärke 5 …).

Zu meiner tiefen Rührung bekam ich eine eigene Garderobe, ganz für mich allein. Das erste Mal in zehn Jahren!

Ich liebe diese Frau! Möge ihr Schimmie 1001 Jahre an Vortrefflichkeit zunehmen!

„Allein in einer Damen-Umkleide! Wow!!! Männerherz, was willst du mehr?“

Viele Männer betrachten diesen Zustand offensichtlich in romantisch-naiver Verklärung und in völliger Unkenntnis der Sachlage als eine irdische Zweigstelle des Paradieses.

Vergesst es!! Ganz, ganz schnell!

Es gibt nichts adrenalinträchtigeres und es bedarf einer hochkomplex ausgeklügelten Strategie, um innerhalb von Sekundenbruchteilen zu entscheiden, wo man zuerst wegschaut, wobei das Zeitalter von String Tanga und Push Up die Sache nicht unbedingt erleichtert. Frauen besitzen ein höchst sensibles Spanner-Radar, und ein Mann der es aktiviert, hat wirklich ernste Probleme am Hals! Ich habe zwar bisher schon zehn Jahre überlebt, trotzdem bin ich jedes Mal erleichtert wenn ich auf der Tanzfläche stehe, und die Grazien sich wieder korrekt bekleidet neben mir befinden, so reizvoll sie auch in den verschiedenen Stadien der Entblätterung sein mögen.

Aus dieser Sicht wird ESTODA also schon mal komplett stressfrei.

Gepriesen sei die tiefe Weisheit Seethas!

Wie der Name schon andeutet (Essential Technique of Oriental Dance) handelt es sich bei ESTODA um eine knallharte Technikschulung. Kein schleierhafter Schleier, kein Leuchter ohne Erleuchtung, kein verstockter Stock, keine zickigen Zimbeln und kein schwerfälliges Schwert. Ausschließlich binnenkörperliche Bewegung pur, genau das, was ich im Moment so dringend brauche.

ESTODA geht davon aus, dass sich jedes beliebige tänzerische „Gebäude“ mit sechs verschiedenen „Ziegeln“ konstruieren lässt. Dabei handelt es sich um Verschiebungen entlang der drei Raumachsen (Horizontale, Vertikale, Sagittale) bzw. Drehungen um diese Achsen, die sogenannten Kurven (Wippe, Twist, Kippe).

Klingt eigentlich ziemlich banal, ist aber absolut genial, wenn man dieses System dann auch mit gnadenloser Konsequenz auf den Tanz anwendet.

Der erste, verblüffende „AHA“-Effekt im ersten Modul liegt darin, diese „Ziegel“ erst einmal ganz bewusst wahr zu nehmen und anschließend die persönlichen Varianten anzuschauen, wobei sich das erste Modell vor allem ausführlich mit der Wippe (Drehung um die Sagitalachse = Speer durch Bauchnabel) beschäftigt, die eine zentrale Rolle bei ESTODA einnimmt.

Daraus resultiert dann auch gleich der erste massive Schock! Die Qualität der eigenen „Ziegel“ variiert nämlich massiv; vom hochpolierten Designermodell mit Blattgoldauflage bis hin zur bröcklig-mürben Pressknäckebrotausführung ist alles vertreten

Und da liegt schon mal der Hund begraben, perfekte Gebäude lassen sich gemeinerweise nur mit vernünftigen, DIN-genormten Ziegeln konstruieren!

Unglaublich beliebt ist die Kreuzung zweier „Ziegel“, mit variierendem Anteil der Elternfraktionen. Wenn ich beispielsweise die Hüften seitlich horizontal verschiebe, schleicht sich immer wieder zusätzlich auch eine „artfremde“ gehässige, leichte Wippbewegung bei mir ein. Das führt dann später bei der zusammengesetzten Figur der Hüftacht unweigerlich dazu, dass sie nicht sauber in einer Ebene liegt, sondern herzzerreißend unsäglich „eiert“. Je stärker die sechs Grundtypen der „Ziegel“ bastardieren, desto beklagenswerter werden zwangsläufig die daraus aufgebauten Figuren und desto mehr weichen klar definierte Bewegungen einem obskuren Hüftmischmasch, vor dem auch der Betroffene selbst völlig hilflos steht, weil er gar nicht mehr überblickt, wo um alles in der Welt er nun mit der Korrektur ansetzen soll.

Modul I bei ESTODA heißt also: Ziegelrenovierung um jeden Preis!

Blöderweise sind gerade diese „einfachen“ Bewegungsmuster bereits ganz tief verankert, sozusagen in den Granit des Großhirns gemeißelt. Das gilt natürlich auch und meistens sogar besonders für die illegalen „Bastardformen“. Ist es nicht herrlich, wenn der Körper ein Bewegungsmuster irgendwann endlich kapiert hat und auf Verlangen völlig automatisch reproduziert? Und ist es nicht noch unendlich viel herrlicher, dann irgendwann festzustellen, daß dieses verdammte Muster grundverkehrt ist!

Da hilft nur eines: Ran an die Meißel und gib ihm Saures! Und da kommt meine kleine graue Zelle (sie teilt sich demnächst …) wirklich massiv ins Schwitzen. Sechs Stunden Unterricht am Tag sind anstrengend, sechs Stunden Konzentration sind es noch mehr, und über vielen Häuptern schwebten nach einiger Zeit dichte Rauchwolken (die praktischen kleinen Palmwedelfächer sind im Preis jedes Moduls mit einbegriffen). Seetha hatte extra die Haare hochgesteckt, um dem Rauch freien Abzug zu ermöglichen, bei mir ist das glücklicherweise nicht erforderlich.

(Ich fürchte die eigene Garderobe wird das nächstes Mal wieder gestrichen …).

Eines der Ziele von ESTODA ist die radikale „Enthoppelung“ aller Figuren, wie sie z.B. beim Drob häufig zu sehen ist, ein Fehler, der fast immer auf einen ungleichmäßigen Einsatz der Knie zurückzuführen ist. Yasmin hängt mit Argusaugen an allen Knien und entdeckt die kleinste Unregelmäßigkeit. Es ist erst einmal ungewohnt den Ursprung einer Bewegung nicht in der Hüfte, sondern den Knien zu sehen, aber das Ganze lässt sich tatsächlich sofort umsetzen.

Auch dass alle Bewegungen über dem belasteten Bein definiert sind erfordert Umdenken, aber man erkennt beim praktischen Ausprobieren sehr schnell die Logik die dahinter steckt, und ESTODA ist wirklich zutiefst logisch.

Die Nomenklatur ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig und wirkt zunächst erschreckend. Ein „Drop“ der sich heimtückischerweise plötzlich in einen „Wip-Twist-Akzent hinten aufwärts“ verwandelt, scheint auf den ersten Blick ins völlig Abstruse abzugleiten, aber eben nur auf den ersten Blick. Sobald eine Tänzerin die Namen der sechs Grundelemente intus hat, und das hat sie bereits nach dem ersten Modul, sind die Vorteile dieser Methode sofort einleuchtend:

Jeder Name ist sozusagen eine Kurzcharakteristik der entsprechenden Bewegung, sobald ich den Namen höre, weiß ich also bereits wie die Figur in etwa aussehen muß. Außerdem kann ich mit diesem System jede beliebige Bewegung – auch wenn sie eben keinen Trivialnamen hat – zergliedern und korrekt „benamsen“ und jeder „ESTODA´ianer“ wird sofort verstehen wovon ich spreche. Ich muß die Namen nicht einmal auswendiglernen, sobald ich eine Bewegung verstehe, ergibt sich aus den einzelnen Komponenten zwingend der richtige Name, den ich mir jederzeit bei Bedarf ableiten kann. Das System ist unglaublich logisch und transparent und gerade Anfänger im Orientalischen Tanz lechzen förmlich nach so etwas, speziell in unserer kopfbetonten, europäischen Gesellschaft.

Die einzelnen Grundfiguren werden auch isoliert mit dem Brustkorb getanzt, z.B. bei der Brustkorb-Kippe. Grimmig versuche ich meinen nicht vorhandenen „hinteren Busen“ (eine phantasievolle, gedankliche Hilfskonstruktion von ESTODA) abzusenken, um den vorderen - leider auch nur rudimentär ausgeprägten - Busen anzuheben. Man(n) kann eben nicht alles haben, und ehrlich gesagt, habe ich Brustkorbbewegungen bisher so gut wie nie eingesetzt.

Aber gut, ich bin ja durchaus willig!

Eines ist mir bereits nach dem ersten Modul glasklar. Ohne intensives Üben läuft hier überhaupt nichts! Wer glaubt ESTODA mal so eben locker vom Hocker machen zu können, wird unweigerlich Schiffbruch erleiden. Es gibt viel zu tun! Schluck … so furchtbar viel!!!

Aaaaaaah, Panik!

Bereits das erste Modul schließt mit einer „Prüfung“ ab. Da es für Yasmin ein Ding der Unmöglichkeit ist nach einem Wochenende alle Namen sicher intus zu haben – das kann ich aus tiefster Seele nachempfinden - erhält jede Delinquentin eine Nummer, die per Sicherheitsnadel am Dress festgepinnt wird. Ich habe Nummer Drei, viel zu weit vorne meiner Ansicht nach. Sehr beunruhigend!

Langsam schleicht sich Nervosität in die Gruppe ein und das vertraute Gespenst der Prüfungsangst macht sich erwartungsvoll auf meiner Schulter breit. Der urologische Stressdruck wächst und die Toilette ist kurzfristig heiß umschwärmt. Sollen wir jetzt wirklich der Reihe nach einzeln antanzen? Schluck! In Gedanken hake ich meine ESTODA-Karrriere bereits ab, Prüfungen sind echt nicht mein Ding.

Natürlich kommt es völlig anders und kurzfristig erbebt das Studio, als viele Steine von vielen erleichterten Herzen fallen. Uff …wir treten alle im Rudel an, das entspannt die Sache schon mal ganz extrem. Erst nur die Elementarbewegungen im Stehen, dann Kombinationen im Gehen über die Diagonale des Raums. Yasmin erklärt jede Kombination noch einmal ausführlich und läuft auch brav vorne weg. Ganz zu schweigen davon, dass sie unermüdlich laut mitzählt, vermutlich ist sie an den Montagen nach ESTODA stockheiser. Jede Diagonale wird so oft wiederholt, bis sie alle Teilnehmer sicher beurteilen kann.

Das war´s dann endgültig. Uff, ich bin fix und fertig!

Im abschließenden Einzelgespräch geht Yasmin noch einmal jede Elementarbewegung und jede Kombination einzeln durch. Wo liegen meine Stärken (das geht schnell …) wo meine Schwächen (da gibt´s eine ganze Latte …)? Wo sind die Knackpunkte im Verständnis und welche Bewegungen müssen unbedingt geübt werden? Nach diesem ersten Modul ist mir um Längen klarer, wo es bei mir „hakt“, aber auch was ich dagegen machen kann.

Ist doch stark!

Langsam zerbröselt die Gruppe, immer mehr brechen auf und machen sich auf den Heimweg. Wehmütig gebe ich den Schlüssel für meine Umkleide zurück. Sie wird mir fehlen! Aber zum Glück komme ich ja wieder! Ich habe nicht die leiseste Ahnung, bis zu welchem Modul ich vordringen werde, und ob irgendwann das Ende meiner tänzerischen Fahnenstange erreicht sein wird, aber eines weiß ich mit Sicherheit:

Durch ESTODA wird sich mein Tanz verändern und es wird garantiert eine Verbesserung sein! Und jetzt werde ich mich vor meinen Spiegel begeben und mir die dämliche Horizontale im Gehen noch mal zur Brust nehmen …!



Es grüßtESTODA (Ein Schimmie-Tollpatsch ohne dramatische Ambitionen) alias Werner
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Werner David
85435 Erding, 2005
Oohl reits risöörfd

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